Wechseljahre und Sexualität

Erholung: Blonde reife Frau sitzt auf Steinen am WasserÜber den Wechseljahren liegt eine Aura der Düsternis und des Kummers, mag man so manchen Artikeln der konventionellen Medien Glauben schenken. Lustlosigkeit, Trockenheit, Depression. Das ist es, was uns Frauen in der Lebensmitte droht. Nichts ist entfernter von der Wahrheit als dieses Bild, das da gezeichnet wird.

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Umbruchs im Leben jeder Frau. Die biologisch fruchtbare Zeit hört allmählich auf, der Eisprung und die Menstruation schleichen sich aus.  Ein ganz natürlicher Vorgang, genau so wie die erste Regelblutung. Trotzdem wird dieser Lebensabschnitt wie kaum ein anderer pathogenisiert – das heißt zur Krankheit erklärt – die dringend therapiert werden muss. Als würden wir Frauen dann nicht mehr so richtig funktionieren. Nur weil wir keinen Eisprung mehr haben.

Tatsächlich erleben manche Frauen auch heftige körperliche und seelische Symptomatiken. Es kann zu Stimmungsschwankungen, Wutgefühlen, Depressionen, Trockenheit der Vagina und Hitzewallungen kommen. Die Lust auf Sex – so wie man ihn bisher gekannt hat – kann nachlassen. Selbstverständlich liegt nichts näher, als diese Zustände mit Hormonersatztherapien zu beseitigen. Doch die Wahrheit dessen, was da vor sich geht, wird dabei völlig ausgeblendet. Denn um mit den Wechseljahren einen wirklich wunderbaren und fruchtbaren Umgang zu finden, muss man einiges über sich und seinen Körper wissen. 

Was passiert in den Wechseljahren auf körperlicher Ebene?

Die Hormonlage ändert sich, das stimmt. Aber eigentlich passiert nichts anderes, als dass man hormonell wieder den Status eines jungen Mädchens vor dem Einsetzen der ersten Regelblutung erreicht. Im Grunde genommen findet in diesem Bereich also eine Verjüngung statt. Dass es trotzdem zu Beschwerden kommen kann liegt daran, dass wir uns zum Teil nicht sehr gut ernähren  (Zucker ist hier ein großer Räuber der körpereigenen Substanzen) und dass der Stress mit seiner Adrenalin- und Cortisolausschüttung ein übriges dazu beiträgt, dass der Körper sich per se nicht in einem guten hormonellen Gleichgewicht befindet, wenn die Wechseljahre beginnen. Bringt man hier seine Lebensgewohnheiten durch kleine Umstellungen in eine gute Balance, verschwinden viele Begleiterscheinungen wie von selbst. Reicht das nicht aus, gibt es eine Reihe pflanzlicher Stoffe die hormonähnliche Wirkung haben und den Körper auf sanfte, aber ungefährliche Weise unterstützen. Photoöstrogene werden die Wirkstoffe dieser Pflanzen genannt und finden sich zum Beispiel in der in Thailand beheimateten Pflanze Pueraria Miri
fica, die man in Kapselform zu sich nehmen kann. Antioxidantien und vitalstoffreiche Ernährung geben dem Körper die Power, die er als zusätzlichen Schub für die Umstellungsvorgänge gut gebrauchen kann. Und etwas Bewegung (20 Minuten täglich) reichen schon aus, um den Stoffwechsel anzuregen und den Körper mit mehr Sauerstoff zu versorgen – alles Wirkungen, die nicht nur auf die Psyche sondern auch auf jede einzelne Zelle im Körper einen positiven Einfluss haben.

Was ändert sich seelisch ?

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wandels – wie der Name schon sagt. Im englischen Sprachraum werden sie daher auch „The Change“ genannt. Es beginnt die Phase, in der man sich nach der Orientierung nach Außen mehr und mehr nach Innen wendet, in sich hinein horcht. Die eigenen Bedürfnisse beginnen sich zu melden, teilweise sehr machtvoll und nicht mehr zu übersehen. War man bis dahin oft bereit Kompromisse einzugehen, das eigene Wohl um das Wohlergehen anderer hinten an zu stellen, so ist das jetzt meist vorbei. Gefühle, die latent in einem geschlummert haben, brechen sich mit zum Teil sehr heftigen Ausbrüchen einfach ihre Bahn. Man kann sich teilweise fast wie ein Vulkan fühlen, der ohne Vorwarnung ausbricht. In Form von Hitzewallungen, Gefühlsimpulsen oder heftigen Emotionen. Diese für einen selbst und für die Umwelt oft nicht zu erklärenden Eruptionen haben ihren ganz tiefen und berechtigten Sinn. Sie zeigen uns auf, wohin der Weg weiter weist. Welche Möglichkeiten und Entwicklungspotenziale für die zweite Lebenshälfte ans Licht wollen. Oft waren sie bis dahin nicht bewusst oder einfach zeitlich nicht zu realisieren. Jetzt ist die Zeit reif dafür, sie ans Tageslicht kommen zu lassen, sich mit ihnen zu beschäftigen und zu beginnen, sie nach und nach umzusetzen. Dabei besteht durchaus die Möglichkeit, dass das, was nicht mehr stimmig ist, weg brechen muss, damit etwas neues erschaffen werden kann. Somit sind die Hitze die man spürt in gewissem Sinne so etwas wie das Feuer, welches den Phönix in einem neuen Glanz und mit neuer Kraft aus der Asche emporsteigen lässt. Denn wo Asche ist, war vorher das Feuer der Transformation. 

Was passiert auf sexueller Ebene?

Vielfach wird die Tatsache, nicht mehr biologisch fruchtbar zu sein als eine Erleichterung empfunden, weil sich dadurch bestimme Fragestellungen und Vorkehrungen im Bett einfach nicht mehr stellen. Gleichzeitig ist es so, dass sich die körperlichen Bedürfnisse genau so wie die seelischen wandeln können. Auch in ihrer Sexualität ist Frau nicht mehr so leicht bereit, Kompromisse einzugehen. Was vorher aus lauter Lust vielleicht noch ganz ok war, ist jetzt nicht mehr einfach so in Ordnung. Manchmal stellt sich ein Gefühl der Unzufriedenheit ein, wenn man nicht so genau weiß, wonach man sucht und gleichzeitig das Gefühl hat, dass das noch nicht alles gewesen sein kann an Erfahrungen, die man gesammelt hat. Tatsächlich weist uns Frauen auch hier der sichere Instinkt den richtigen Weg. Es bricht eine Zeit an, in der man die tiefen, spirituellen Aspekte die mit der Sexualität erlebt werden können, ergründen kann. Keine kleinen Kinder mehr die einen dabei stören könnten, kein Liebhaber mehr, der vor lauter Lust zu schnell explodiert. Slow-Sex oder Tantrischer Sex können eine ganz wunderbare neue Erfahrungswelt auftun, die das Bedürfnis danach als Frau „gesehen“ zu werden, in ihrer ganzen Weiblichkeit angenommen zu werden, befriedigen kann. Die Sexualität kann eine ganz neue Tiefe bekommen, mit spontanen Orgasmen und Plateauorgasmen die lange anhalten – oder mit dem bewussten Verzicht auf einen Orgasmus, weil der Weg dahin schon viel zu schön ist und dazu einlädt, zu verweilen. 

Um diese Tiefe zu erleben bedarf es einer gewissen inneren Reife und diese ist meistens in diesem Lebensabschnitt ganz natürlich gegeben. Es lohnt sich also, ganz neue Wege zu beschreiten und sich eben nicht mehr mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Eine neue Zeit der Neugier und Entdeckerfreude kann anbrechen. 

Es braucht Mut!

Die Wechseljahre erfordern Mut und Hingabe. Die Hingabe an das Prinzip Leben und den Mut, zu neuen Ufern aufzubrechen. Sie können die fruchtbarste Phase im Leben einer Frau einläuten in der sie beginnt, sich zu ihrer ganzen Schönheit und Blüte zu entfalten. In der sie so selbstbewusst und strahlend wird, dass ihre Lebenskraft und ihr Enthusiasmus andere anstecken und bereichern kann. Sie wird eine wundervolle Partnerin im Bett, die ihren Körper gut kennt und den Mann mit auf die Reise in ganz neue Sphären führen kann, die ihm ohne dieses weibliche Wissen verschlossen bleiben würden. Sie schert sich immer weniger darum, was man über sie denkt und orientiert sich stetig mehr an ihrer Intuition, die immer deutlicher und lauter mit ihr kommuniziert. Sie verkörpert das Prinzip „Leben“ auf ganz bezaubernde Art und Weise und entdeckt voll jugendlichem Elan die Welt noch einmal ganz neu – diesmal für sich. Wobei sie andere gerne inspiriert und mitnimmt. 

Hört sich das besser an, als die Einleitung des langsamen Verfalls?

I think so!

Ob Mahatma Ghandi bei seinen berühmten Worten „Be the change You want to see in the world“ wohl auch „The Change“ gedacht hat?

Mit den besten Wünschen für diese tolle Zeit

 

Clea Nuss-Troles

 

 

 

Ein Kommentar zu Wechseljahre und Sexualität

  1. So ein lesenswerter Beitrag.
    Veränderungen im Leben sind immer eine Möglichkeit zum Wachstum.
    Die Wechseljahre sind ein Übergang in einen neuen Abschnitt des Lebens.
    Das Ende des Abschnitts der biologischen Reproduktion eröffnet das Tor in eine Zeit der Neubesinnung auf eigene Ziele.
    Auch in der Sexualität kann sich viel Neues positiv auftun.
    Aber was rede ich als Mann; lest, was Clea als Frau darüber zu sagen hat!

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