Warum macht Tantra so viel Angst?

Neuer Blog-Beitrag bei Anlea von Clea Nuss-Troles

Neuer Blog-Beitrag bei Anlea von Clea Nuss-Troles

In unserer Arbeit bei Anlea sind wir ständig mit den Widersprüchen konfrontiert, die Sexualität und der natürliche Umgang damit auslösen. Es fängt schon mit der Frage an, ob man sich als Tantra-Masseurin mit seinem richtigen Namen outen kann, was die Nachbarn, die Kinder und die Arbeitskollegen sagen könnten und wie man von seiner Umgebung mit diesem Beruf, der Berufung ist, wahrgenommen wird. Wird man auf Ablehnung oder Anklang stoßen? Jeder Mensch, der bei uns seine neue Arbeit beginnt, ist diesen inneren Prozessen und der Auseinandersetzung mit Ängsten und Befürchtungen ausgesetzt. Letztendlich spiegeln sie aber nur wieder, wo sich unsere Gesellschaft mit dem Thema Sexualität und Körperlichkeit tatsächlich befindet. Nämlich noch meilenweit entfernt von einem lockeren und natürlichen Umgang damit. Dabei sind sexuelle Empfindung im passenden Kontext und in liebevoller Aufmerksamkeit gegeben oder empfangen einfach nur wundervoll – warum sind wir also, was dieses Thema anbelangt – so gespalten?

Die Ursachen sind sicherlich auf vielen Ebenen zu suchen. Ganz klar ist jedoch, dass wir als Babys und kleine Kinder anfangs gar keine Scheu davor haben uns zu berühren und lustvolle Gefühle dabei zu empfinden. Die Widersprüchlichkeit und Spannung die wir später beim Thema „Sexualität“ empfinden, ist also gemacht und nicht angeboren. Sie setzt sich zusammen aus den mannigfaltigen verbalen und non-verbalen Botschaften, die wir von unserer Umgebung im Laufe unserer Sozialisation aufnehmen. Da wir die ersten Lebensjahre alle Informationen unseres Umfeldes aufnehmen wie ein Schwamm und sie im Unterbewusstsein abspeichern, setzt sich nach und nach ein deutliches Gefühl in uns fest, was „erlaubt“ und „nicht-erlaubt“ ist und was wir dürfen und was nicht. Es entsteht eine Art Mosaik in uns, an dem wir uns ausrichten und von dem wir meinen, dass es zu uns gehört. Weil es uns vertraut ist. Jeder Blick über den Tellerrand löst daher zunächst mal Angst aus. Denn instinktiv wissen wir, dass diese uns innewohnende Kraft immens ist und wir sie zum Wohl wie auch zum Wehe einsetzen können, je nachdem, was wir damit anstellen oder was uns in diesem Kontext widerfahren ist. Das Gefühl, man könnte ein unkontrollierbares Fass aufmachen, wenn man sich mit seinen inneren Geboten und Verboten im Rahmen der Sexualität auseinander setzt, ist in vielen Menschen tief verwurzelt. Neugier auf der einen Seite trifft häufig auf Befürchtungen und Vorbehalte auf der anderen Seite. Was uns dabei bewusst sein sollte: Jede Energie in uns, die an Scham, Angst, Schmerz, Unwohlsein, Ablehnung und Abwehr gebunden ist, ist eingesperrte Lebensenergie die uns für unsere Vitalität nicht zur Verfügung steht, sondern uns Energie raubt. Je mehr wir uns trauen sie nach und nach zu betrachten und aufzulösen, umso freier werden wir in unserer Freude am Leben und in unserem So-Sein. Kein Mensch lebt ohne sexuelle Empfindungen, denn sie sind ein Ausdruck unserer Lebensenergie. Ob er sie spürt und wahrnimmt, ist eine andere Frage…

Es gibt inzwischen viele gute Bücher über Sexualität, die sich sowohl der partnerschaftlichen als auch der alleinigen Entdeckungsreise widmen. Letztendlich lernen tun wir aber erst im tatsächlichen Umsetzen körperlicher Erfahrungen. Dafür sind Tantra-Seminare so heilsam, denn sie führen in ganz behutsamen Schritten zu einer Öffnung bis dahin verbotener Felder. In einem geschützten Rahmen, der auffängt was an Widersprüchen und Ängsten entstehen könnte und der gleichzeitig dazu ermuntert, die nächsten Schritte in der eigenen Entwicklung zu wagen. Geschützter Raum auch deshalb, weil man auf unterschiedliche Art und Weise auf Entdeckungsreise gehen kann: Mit dem eigenen Partner oder im Kontakt mit bis dahin fremden Menschen, die einem auf wundersame Art und Weise innerhalb von Stunden ganz vertraut werden, weil man sich gegenseitig „gut tut“.

Der Transformationsprozess im Rahmen eines Tantra-Seminares ist groß. Die Lebensqualität danach eine deutlich andere. Man spürt sich mehr, ist sich selbst und anderen Menschen näher, empfindet mehr Wärme, Zärtlichkeit und Liebe. Sowohl für sich selbst wie für andere. Der Raum des Herzens öffnet sich. Das ist gar nicht zu vermeiden. In der wissenschaftlichen Fachsprache nennt man dies „Herz-Kohärenz“. Dabei werden die elektrischen Impulse zwischen den Herzschlägen ausgewertet die eine Aussage darüber liefern, ob wir uns offen und warmherzig fühlen oder gestresst sind. Das Heart-Math Institue in den USA hat auf diesem Gebiet enorme Forschungsarbeit geleistet und führt inzwischen auch in namhaften Firmen Schulungen der Mitarbeiter durch. Diese lernen ihr Herz füreinander zu öffnen und sich gegenseitig zu unterstützen. Eigentlich ein Impuls,  der uns Menschen innewohnt und uns angeboren ist. Nichts anderes passiert in einem Tantra-Seminar: Man unterstützt sich gegenseitig, baut Vorbehalte ab und lernt, gut für sich und andere zu sorgen und das Leben wieder mit in all seinen bunten Facetten wahrzunehmen. 

Daher ist es uns eine Herzensangelegenheit, dass Menschen sich trauen diesen Schritt zu gehen und damit sich und ihr Umfeld nachhaltig befruchten. Frei nach dem Motto: „Das Leben ist nichts für Feiglinge“. 

Tantra-Seminar Eifel 10.-16. Oktober 2015 

Ein Kommentar zu Warum macht Tantra so viel Angst?

  1. Hallo,

    eine schöne Seite und ein gut geschriebener Beitrag.
    Ich wünsche Euch eine rege Resonanz.

    Herzliche Grüße,

    Eberhard

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