Von Plüsch-Tantra und Mogelpackungen

IMG_2463Was ist Tantra? Würde man dazu eine Umfrage auf der Straße machen, bekäme man wahrscheinlich ‚zig verschiedene Antworten. „So ne Massage mit Federn?“ „Macht man da nicht so komische Stellungen beim Sex? Ach ne, das ist Kamasutra!“ „Moment! Dazu gabs doch diesen Beitrag im Fernsehen, da haben die doch so nackt massiert…“ „War das nicht dieser Guru in Indien, wie hieß er noch gleich? Bhagwan oder so?“

Alles richtig! Und doch trifft keine der Antworten den Kern dessen, was Tantra wirklich bedeutet. Und auch für uns bei Anlea ist es immer wieder ein Suchen und Neu-Definieren, in unserem ganz eigenen Warteverständnis und mit der Entwicklung, die wir als Persönlichkeiten im Laufe der Jahre machen. Sucht man das Wort Tantramassage im Internet, trifft man auf mehr halbseidene als professionelle Seiten. Da liegen ein paar Federn rum auf den Fotos und es sind ein paar Kerzen angezündet und damit kann man dann schon „Tantra“ verkaufen. Aber man spielt dabei mit den Sehnsüchten der Menschen die eigentlich auf der Suche nach „mehr“ sind als einer erotischen Massage – und damit oft fehl geleitet werden oder enttäuscht sind hinterher, weil sie nicht das bekommen haben, was sie zu Recht erwartet haben.

Das Sanskrit-Wort „Tantra“ bedeutet unter anderem: Alles ist mit allem verbunden. Aber was heißt das genau? Es bedeutet, dass es um die tiefe Sehnsucht im Menschen geht, sich geborgen und aufgehoben und gehalten zu fühlen, eben das Gegenteil von getrennt und separiert. Dies ist ein Platz, den man nur in seinem Herzen erfahren kann, der weit außerhalb dessen liegt, was der Verstand zu fassen bereit ist. 

Dass das Gefühl des Getrennt-Seins tatsächlich eine Illusion ist, das beweisen zur Genüge alle neuen physikalischen Gesetzmäßigkeiten die entdeckt – oder besser: bewiesen worden sind. Wir bestehen zu mehr als 96% aus Energie und nicht aus Materie, unser Körper hat mehr als 70% Wasser in sich, in jeder Zelle, in der Blutbahn und in den100. 000 km Lymphbahnen die wir in uns haben. Spätestens seit der Wissenschaftler Masaru Emoto Bilder von Wasserkristallen gemacht hat, die je nach Information im Wasser wunderschön oder richtig hässlich sein können wissen wir, dass Wasser ein Informationsträger ist und kein unbelebtes Medium. Das erfahren wir schon am Geschmack: Denn obwohl chemisch gleich zusammen gesetzt, schmeckt Quellwasser anders als Leitungswasser oder Wasser aus der Plastikflasche. Wenn Wasser also ein Informationsträger ist und wir zu mehr als der Hälfte aus diesem Stoff bestehen, so sind wir auch Informationsträger dessen, was wir fühlen und denken.

Wenn man dieses Wissen wirklich ernst nimmt und dazu noch weiß, dass unser Herz und unser Gehirn ein beständiger Generator elektrischer und magnetischer Impulse ist, dann beginne wir zu ahnen, dass wir Menschen uns in einem riesigen Feld bewegen, in dem wir untereinander vernetzt sind. Wir können gar nicht anders als untereinander zu kommunizieren. Wie das Internet ist jeder menschliche Organismus ein beständiger Sender und Empfänger von Signalen. Unser Unterbewusstes nimmt es sehr wohl wahr und unsere Körper auch. Nur der Intellekt, der versteht oft nicht, was vor sich geht. 

Bezogen auf die Tantra-Massage bedeutet das: ich als Massierender habe eine hohe Verantwortung hinsichtlich der Energie, mit der ich in eine Tantramassage gehe. Der Mensch, der sich mir anvertraut, soll sich für die Zeit der Massage geborgen und geliebt fühlen, er soll sich wie ein Säugling anvertrauen können. Er ist nackt und offen und ich habe die hohe Verantwortung, in diese intime Situation in völliger Präsenz und Offenheit hinein zu gehen und zu begleiten, was immer entstehen mag. Mit dieser achtsamen und wertschätzenden Haltung kann ich vielleicht dazu beitragen, dass er sich an das erinnert, was ihn wirklich in seinem innersten Kern ausmacht und ein Impulsgeber für seine Entwicklung sein. 

Das bedeutet aber auch: Ich habe eine große Verantwortung für meine eigene Entwicklung. Ich kann nur Begleiter in einer Tantramassage sein, wenn ich selbst diese Prozesse durchlaufe die entstehen können und wenn Tantra für mich etwas ist, was mein Leben in hohem Maße mit bestimmt. Achtsamkeit und Präsenz mir selbst und meinen Bedürfnissen gegenüber. Selbst-Liebe, damit ich vom Platz meines Herzens aus dem Menschen, der zu mir kommt, mit bedingungsloser Liebe begegnen kann. 

Wir kultivieren diesen Umgang miteinander bei Anlea,  mit all unseren persönlichen Stärken und Schwächen und unterstützen uns gegenseitig, wo immer es geht. Das bedeutet auch eine gewisse Stringenz hinsichtlich der betrieblichen Anforderungen: Es ist nicht immer sofort ein Termin verfügbar – denn wir wollen uns nicht selbst ausbeuten in dem wir unter unnötigem Druck arbeiten. Wir machen möglich was immer in unserem Rahmen möglich ist. Aber wir schätzen uns auch selbst genug, um nicht über unsere Grenzen zu gehen. Die Aufmerksamkeit, die wir dem Gast entgegenbringen, die haben wir auch für uns selbst. Wir sind authentisch in dem was wir tun. 

Unsere Gäste haben dafür Verständnis, denn sie wissen: Bei uns hat Schein-Heiligkeit keinen Platz. Wir begrüßen unseren Gast nicht unbedingt mit Namaste (ich verehre das Göttliche in Dir) auf den Lippen, aber immer im Herzen. 

In diesem Sinne: Tantra hört nicht nach der Tantramassage auf, sondern beginnt genau da! In dem Wissen, dass es die hohe Energie in den Widrigkeiten des Alltags zu halten gilt und nicht nur für die Zeit der Massage. 

Mit Herzensgrüßen

Clea Nuss-Troles

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