Tantramassage – die fünf größten Vorurteile

Tantra-Massage ist immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet – was schade ist, denn Tantra-Massagen dienen nicht nur der Erweiterung der erotischen Kompetenz, sondern erfüllen noch viel mehr Bedürfnisse des modernen Menschen.

Wir beleuchten die fünf wichtigsten Vorurteile gegen Tantra-Massagen.

Tantra-Massagen erfüllen nicht nur die Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Sinnlichkeit im Leben. Tantra-Massagen gehen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut.  Sie berühren Menschen auf einer ganz tiefen Ebene des Seins und geben ihm das Gefühl zurück, wertvoll und einzigartig zu sein. Damit knüpfen sie an ein Lebensgefühl an, das vielen erschöpften Menschen von heute fremd geworden ist.

Vorurteil Nummer eins

Tantra-Massagen sind erotische Dienstleistungen

Da die Sexualität eines Menschen in Form von sinnlicher Berührung oder einer Intim-Massage bei der Tantra-Massage mit einbezogen wird liegt der Schluss nahe, dass es sich um erotische Dienstleistungen handeln könnte. Dieser Sichtweise schließt sich auch das Stuttgarter Verwaltungs-Gericht an mit der Verabschiedung eines neuen Gesetz-Urteils, nach dem Tantra-Massage Studios Vergnügungssteuer zahlen müssen (Focus online).

Wer einmal eine Tantra-Massage gegeben oder empfangen hat weiß, dass zwischen beiden Bereichen Welten liegen. Doch wie soll man etwas, was nur erfahrbar ist, in Wort und Schrift schlüssig darlegen?

Eine gut gegebene Tantra-Massage wird von professionell ausgebildeten Tantra-Masseuren und Masseurinnen vorgenommen. Sie erschließen dem Klienten einen neuen Erfahrungsbereich, in der sein sexuelles Erleben einen natürlichen Teil des ganzen Menschen widerspiegelt. Sie sind niemals zielgerichtet oder bauen den Druck auf, ein bestimmtes Ziel – wie zum Beispiel den Orgasmus – erreichen zu müssen. Vielmehr führen Tantra-Massagen in eine tiefe Entspannung, in der die Welt häufig wieder als bunt und schillernd und in ihrer ganzen Schönheit wahrgenommen wird weil die empfangenen Sinneseindrücke einen tief mit dem eigenen Kern verbinden.

Vorurteil Nummer zwei:

Tantra-Massagen sind etwas für sexuell ausgehungerte Menschen

Tantra-Massagen werden von Menschen gebucht, die das tiefe Bedürfnis haben, sich selber wieder zu spüren. Häufig sind sie stark eingespannt zwischen Berufs- und Familienleben und haben wenig Zeit für sich. Die Tantra Massage erleben sie als einen Raum, in dem der Kopf still wird, sie nichts tun müssen und wo sie die Berührung und den Kontakt erfahren, der Menschen nährt – der aber im geschäftlichen Leben keinen Platz hat. Mehr als alles andere geht es neben der Sinnlichkeit um die Möglichkeit, in einer von Respekt geprägten Begegnung als Mensch mit seinen tiefsten Empfindungen wahr- und ernstgenommen zu werden. Nicht selten ist das Gespräch vor und nach einer Tantra Massage genau so wichtig wie die Massage selbst. Das Erlebte kann auf Wunsch reflektiert werden und setzt oft innere Erkenntnisprozesse in Gang.

Vorurteil Nummer drei:

Tantra-Massagen sind nur etwas für Männer

Immer mehr Frauen entdecken die Tantra-Massage für sich. Frauen, die im Geschäftsleben „ihren Mann“ stehen müssen genau so wie Frauen, denen im Alltag Zärtlichkeit und Berührung fehlt. Die völlig neue und doch auf einer tiefen Ebene des Menschen vertraute Berührung bei der Tantra-Massage lässt oft zu, dass jahrzehntelange Blockaden sich auf sanfte Weise lösen und der Zugang zur eigenen Weichheit, Weiblichkeit und dem Frau-Sein wieder entdeckt wird. Nicht selten verändert sich dadurch die eigene Ausstrahlung und es treten Veränderungen im Privatleben ein: Bestehende Beziehungen erlangen eine neue Tiefe oder das Singledasein hat endlich ein Ende.

Vorurteil Nummer vier:

Tantra-Massagen kommen aus Indien

Es stimmt, dass der östliche Tantrismus Namensgeber der Tantra-Massage geworden ist, weil sich in der tantrischen Philosophie viele Parallelen zu der Achtsamkeit und Einstellung, mit der Tantra-Massagen gegeben werde, ergeben haben. Tantra-Massagen selber sind jedoch eine Erfindung amerikanischer Sexualtherapeuten die nach Möglichkeiten suchten, Menschen in eine größere Verbundenheit mit ihrem Körper und ihrer Sexualität zu führen. Sie gehen zurück auf Annie Sprinkle und Joseph Kramer und erfahren, seit sie nach Europa gekommen sind, eine beständige Veränderung und Weiterentwicklung. Das ist auch gut so, denn die Bedürfnisse der Menschen verändern sich und die Tantra-Massage sollte immer ein individueller Dialog sein, der sich an den Bedürfnissen des Klienten orientiert, anstelle starren Schemata und Dogmen zu folgen. „Die“ Tantramassage gibt es also gar  nicht.

Vorurteil Nummer fünf:

Tantra-Massagen sind das selbe wie Sex

Leider ist dieses Vorurteil noch immer weit verbreitet. Obwohl eine Tantra-Massage bei Paaren durchaus mal weiter gehen kann, weil sich ein natürlicher Fluss der Sinnlichkeit entwickelt, haben professionelle Tantra-Massagen ganz klare Grenzen. Es gibt weder Geschlechtsverkehr, noch Oralverkehr oder sonstige sexuelle Handlungen. Die Intim-Massage ist eine Option, aber nicht mal die ist immer wichtig. Vor allem wenn Frauen die ersten Male kommen, kann eine Intim-Massage völlig fehl am Platze sein. Im Focus steht die Erweckung der Sinnlichkeit, des Fühlens und der Verbundenheit mit sich selbst. Am ehesten könnte man Tantra-Massagen mit einem ewig langen Vorspiel vergleichen – viele Elemente sind ähnlich. Der Empfangende kommt in einen Schwebezustand, in dem der Verstand endlich mal Ruhe gibt. So gesehen haben Tantra-Massagen eine stark weibliche Energie – es geht um Hingabe statt ums Tun.

Dass Tantra-Massagen so starken Zulauf haben zeigt mir, dass wir uns gesellschaftlich auf einer Ebene bewegen, auf der Sinnlichkeit, Intimität und Berührung nicht mehr selbstverständliches Allgemeingut ist. Die Zeit ist so knapp geworden, dass für Musse und wirkliches Abtauchen nicht mehr viel Raum geblieben ist. Eigentlich wäre es schön, gemeinsam an einer Gesellschaft zu arbeiten, die Tantra-Massagen überflüssig macht. Das müsste das eigentliche Ziel aller Tantra-Institute sein.

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