Sexualität im Alter

100+ ? Die Gemeinsamkeiten bei Menschen die länger leben

Sexualität im Alter

 Sex im Alter ist noch immer ein Tabu. Obwohl Studien aus den USA und Deutschland beweisen, dass die Lust auf eine erfüllte Sexualität erst in sehr hohem Alter mit über 80 Jahren nachlässt. Ausschlaggebend für eine gelebte Sexualität im Alter ist in erster Linie, wie lustvoll man schon davor gelebt hat. Aber auch Medikamente, eine zu kritische Selbstwahrnehmung und die Frage, ob man in einer Beziehung lebt, spielen eine große Rolle.

Hört die Lust auf Lust mit zunehmendem Alter auf? Die wenigen Studien die es hierzu gibt, geben eine klare Antwort: Von einer signifikanten  Abnahme der sexuellen Lust kann man frühestens ab einem Alter von 80 Jahren sprechen. Bis dahin beschreiben sowohl Männer wie auch Frauen, dass sie sexuelle Kontakte pflegen und Lust an intimen Beziehungen haben oder die Selbstliebe praktizieren. Die Sehnsucht nach Zärtlichkeit und sexueller Erfüllung bleibt also bis ins ganz hohe Alter hinein erhalten.

Googelt man „Sex im Alter“ stellt man schnell fest: Per definitionem beginnt die Phase eines alternden Menschen schon ab etwa 50-55 Jahren, wenn die Wechseljahre vorüber sind und die Phase der Neufindung – im allgemein als Midlife-Crisis bekannt – abgeschlossen ist. Statistiken hingegen beweisen: Die Mitte 56-65jährigen sind sexuell aktiver als junge Menschen zwischen 18-25 Jahren (Brähler 1999; Brähler & Unger 1994). Doch warum wird das Thema Sex im Alter so tot geschwiegen?

Ein Grund mag sein, dass die jetzt alten Menschen zwischen 75 und 85 noch einer Generation entstammen, in der der Umgang mit Sexualität noch nicht so frei und offen war wie nach den 68ern. Sexuelle Wünsche und Bedürfnisse werden, vor allem von den Frauen, nicht so kund getan wie von jüngeren Menschen. Scham, körperliche Veränderungen und der Jugendwahn unserer Gesellschaft erleichtern den Umgang mit der Alterssexualtät, wie sie im Fachjargon heißt, nicht. Doch ein paar Studien haben sich mit Sex im Alter beschäftigt und Interessantes zutage gefördert:

Sexualität im Alter verändert sich, sie ist weniger koitusfixiert und mehr auf Nähe und Zärtlichkeit ausgerichtet, wird jedoch nicht weniger lustvoll erlebt als in all den anderen Lebensphasen (Alterssexualität – Wikipedia).

Die Lust an der Sexualität lässt sich nicht immer ausleben, abhängig davon ob man einen Partner dafür hat oder nicht. Die Chance Sex auch im Alter zu leben ist statistisch tatsächlich größer, wenn man in einer Beziehung lebt. Die Lust auf Sex ist also häufig größer, als sie tatsächlich gelebt wird, wobei Männer es hier scheinbar deutlich leichter haben als Frauen (Beate Schultz-Zehden: Wie wandelt sich Sexualität im Alter – Das Sexualleben älterer Frauen – ein tabuisiertes Thema). Frauen haben mit dem Älterwerden eine kritischere Selbstwahrnehmung als Männer, was nicht verwundert. Männer mit ergrautem Haar gelten als reif und immer noch attra

ktiv, während eine Frau im selben Alter schon als „alt“ gelten mag. Während Männern in reiferen Jahren jüngere Frauen durchaus zugestanden werden, gilt dieses umgekehrt noch nicht. Doch hat eine Frau schon vorher ein erfüllendes Sexualleben gehabt und gelernt ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern, wird sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Alter beibehalten.

Was wird im Alter besser?

Die Frage nach Sex im Alter ist eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Stellung alter Menschen in unserer Gesellschaft. Misst man Älterwerden an den derzeitigen Werten unserer Wirtscahfts-Gesellschaft: dynamisch-sein, Funktionieren, keine Falten haben – so mag das Altern tatsächlich als defizitär erscheinen. Doch der Trend beginnt sich umzukehren. Dadurch, dass die Menschen immer älter werden stellt sich die Frage: Wie kann diese Lebensphase so gestaltet werden, dass mögliche Einschränkungen souverän angenommen werden und die positiven Seiten auch in den Fokus rücken? (Baltes und Baltes über „healthy aging“ 1989) Dazu zählen: die freiere Zeitgestaltung, die es einem ermöglich neue Interessen wahrzunehmen, das Mass an Lebens- und Berufserfahrung welches man weiter geben kann sowie eine größere Gelassenheit. Das A und O scheint zu sein: Sich dem zuzuwenden, was man kann und sich nicht auf das zu fixieren, was nicht mehr geht.

Für Sex im Alter bringt die veränderte Lebenseinstellung und Physiologie durchaus Vorteile: Männer und Frauen sind sich in ihren Präferenzen und Neigungen im Alter näher als in der Jugend. Zärtlichkeit und Beziehungspflege sowie Sexualpraktiken, die weniger auf den reinen Geschlechtsakt ausgerichtet sind, rücken mehr in den Vordergrund. Damit sind eigentlich die Türen offen für eine kreative Zeit der Gestaltung intimer Momente. Doch das Glück will auch hier gelernt sein.

Sex im Alter: Umgang mit Einschränkungen

Wichtig ist, angesichts körperlicher Einschränkungen eine Portion Humor und Phantasie einfließen zu lassen sowie das gegenseitige Wohlwollen beizubehalten. Man ist mit 75 vielleicht nicht mehr so gelenkig, dafür kann man sich für die gegenseitige Erkundung mehr Zeit und Musse lassen. Sich möglichst lange eine gute Gesundheit zu erhalten fördert auch das Erleben der Sexualität, denn viele Medikamente (Blutdrucksenkende Mittel, manche Magen-Darm Medikamente, sogar ASS können sich hemmend auf die Potenz auswirken – siehe Webseite „Zentrum für Gesundheit„. Eine basenreiche Ernährung und massvolle Bewegung tragen dazu bei. Doch auch Operationen wie eine Prosataenfernung können das Sexleben massiv einschränken, weswegen die Notwendigkeit einer solchen Operationen immer gut abgewogen werden muss, da Operationen in Deutschland oft vorschnell und ohne ausreichende Indikation erfolgen (Artikel: Gesundheit der Prostata – Anlea).

Am wichtigsten scheint es jedoch zu sein, die Schere im Kopf die Sex im Alter mit Scham und Schuldgefühlen verknüpfen kann, zu kappen und sich die Lust auf Sex auch im Alter zuzugestehen. Dazu gehört auch, dass sich eine Beratungskultur etabliert die es älteren Menschen ermöglicht, ihre Wünsche zu erkennen, zu artikulieren und Hemmungen abzubauen. Auch ganz praktische Tipps, welche Körperstellungen auch im Alter gut möglich sind oder welche Hilfsmittel man anwenden kann, sollten so ein Beratungsangebot ergänzen. Der Bedarf an Sexualberatung für Senioren ist in jedem Fall da.

Auf den Sex im Alter kann man sich also in vielerlei Hinsicht vorbereiten. Indem man sein körperliches Wohlbefinden so lange wie möglich erhält, sich ein gesundes Selbstbewusstsein hinsichtlich des Alterns zulegt und indem man lernt, seine Bedürfnisse wahrzunehmen, zu artikulieren und umzusetzen. Es wird spannend sein zu sehen, wie die die etwas freier herangewachsene Generation der Menschen, die jetzt älter werden, sich dem Thema vielleicht offener und mit weniger Scham zuwenden kann. Wir beraten Sie gerne, wenn Sie spezielle Fragen zu Ihrer Sexualität im Alter haben.

Buchtipp: 

Clea Nuss-Troles

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