Erotik in langjährigen Beziehungen

Sex und Erotik in langjährigen Beziehungen

Sex und Erotik in langjährigen Beziehungen – wir zeigen wie es geht!

Wie finden wir in unserer Beziehung, die sich vom Grundsatz her liebevoll und stimmig anfühlt, auf erotischer Ebene (wieder) zu einem erfüllten Miteinander?
 

Auf diese Frage gibt es keine Antwort in Form von Patentrezepten…
und auch der oft gegebene und gut gemeinte Ratschlag: „Fahrt doch mal in Urlaub, dann wird das schon“ ist leider nicht wirklich hilfreich. Denn die Thematik ist vielschichtig und setzt sich aus ganz unterschiedlichen Puzzleteilen zusammen, die je nach Paar in der Gewichtung stark variieren. Aus den vielen Gesprächen die wir bei Anlea führen, haben sich einige Punkte, heraus kristallisiert, an denen viele Paarbeziehungen zu knacken haben. Hierunter fallen: 

Alltag und Anziehung: 

Paare die lange zusammen sind, leben oft in einem Haus oder einer Wohnung zusammen, haben den Alltag, den sie miteinander teilen und je nach Alter der Kinder,  häufig noch eine sehr eingeschränkte Privatsphäre. Die vielfach hohen Anforderungen durch Beruf, Familienmanagement und gemeinsame und getrennte Freizeitaktivitäten führen dazu, dass einem abends, wenn dann endlich Zeit füreinander da wäre, der Sinn nur noch nach Abschalten, Ausruhen und Entspannung steht. Um dieses Gefühl zu befriedigen folgt häufig  der Gang ins Wohnzimmer oder Schlafzimmer und der Druck auf die Fernbedienungstaste des Fernsehers: das Berieselungsprogramm beginnt und man selbst findet sich wenig später in einer dösigen und ruhigen Stimmung wieder, in der man nicht mehr selbst denken muss und der eigene Kopf still ist.Oder jeder hat noch etwas zu tun und man findet sich vor dem jeweils eigenen PC wieder und arbeitet noch…

Routine:

Wenn sexuelle Begegnungen stattfinden, was längst nicht in allen langjährigen Beziehungen der Fall ist, laufen diese häufig nach „Schema F“ ab. Man kennt sich, man weiß was dem anderen gefällt oder auch nicht gefällt und geht vor wie beim Essen kochen, wenn man ein Rezept in und auswendig kennt: Aus Zutaten A, B und C entsteht nach und nach ein Gericht das sättigt und auch ganz lecker ist. Nur: auf Dauer fehlt ihm die Würze der Abwechslung und es stellt sich die Frage: Soll das alles gewesen sein, was an gemeinsamer Erfahrung möglich ist?

Sex, Wünsche und Kommunikation:

Mindestens von einer Seite sind meist Wünsche da die gemeinsame Sexualität wieder aufleben zu lassen, zu intensivieren oder variationsreicher zu machen. Die große Frage,, die nach dieser Erkenntnis kommt ist: Wie stellt man es an darüber zu reden? Mag man noch Mal Wünsche äussern, die man vielleicht schon mal angesprochen hat, die aber nicht auf positive Resonanz gestoßen sind? Hätte man gerne häufiger Sex, der andere Partner aber nicht und weiß nicht wohin mit seiner sexuellen Energie – möchte den Partner aber auch nicht unter Druck setzen? Würde man vielleicht sogar gerne ein erotisches Abenteuer außer Haus erleben, sich aber nie trauen, darüber zu reden? Würde man als Mann gerne nur einfach mal verwöhnt werden, ganz ausgiebig und oral auch mal nix tun müssen – aber weiß, dass die Partnerin dem nichts abgewinnen kann? Würde man als Frau gerne einmal ganz anders angefasst werden? Spielerischer, variationsreicher, genießerischer – ohne das Gefühl zu haben, einen Orgasmus haben zu müssen? Spürt man vielleicht: Da fehlt etwas, da muss es mehr geben, aber man weiß nicht was? Weil man es nie erlebt hat?

Hier den Schlüssel zu einer Kommunikation und einen Umgang miteinander zu finden, der aufeinander zu führt statt voneinander weg, ist nicht ganz einfach. Denn häufig steht dahinter eine Mischung aus Frust, unterdrückten Wünschen und Gefühlen gepaart mit einer Menge schon erlebten Misserfolgen die einem das Gefühl geben können:  „Wenn ich das noch Mal anspreche, mach ich ein Fass auf, das unsere ganze Partnerschaft gefährden könnte. Also halte ich lieber still, mache etwas heimlich für mich und halte die Situation aus, denn eigentlich ist ja alles andere in Ordnung.“ Ein Trugschluss, wie sich oft zeigt, denn es besteht immer die Gefahr, dass dieses Fass irgendwann völlig unvermittelt einfach überläuft, weil der Deckel zu lange drauf gehalten wurde. 

Libido und Wechseljahre

Ein Frauenkörper und auch die Psyche einer Frau verändern sich im Laufe ihres Lebens deutlich stärker als beim Mann. Diesen Veränderungen positiv zu begegnen ist nicht immer ganz einfach, denn sie bergen eine Menge möglicher Untiefen, denen es mit Humor, Kraft, Lebenslust, Selbstbewusstsein und vor allem viel Wissen zu begegnen gilt. Welche Frau findet es schon schön, durch die Schwangerschaften Gewichtszunahme zu erleben, die ersten Falten an sich zu erleben die nicht nur Lachfalten sind oder graue Strähnen bei sich zu entdecken gepaart mit der Beobachtung, dass sich diese Symptome im Laufe der Wechseljähre verstärken? Durch viele dieser äußeren Wandlungsprozesse gehen auch Männer, aber Frauen unterliegen deutlich stärkeren hormonellen Einflüssen. Und auch der gesellschaftliche Druck, schön und attraktiv und allzeit adrett zu sein, lastet auf Frauen stärker als auf Männern. Doch dem größten Mythos, den ich in diesem Zusammenhang bisher begegnet bin ist der, dass die Wechseljahre eine einschneidende Veränderung darstellen die nur negativ zu betrachten ist. Einhergehend mit mangelndem sexuellen Interesse, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, einer erhöhten Anfälligkeit für alle möglichen Erkrankungen, angefangen von Krebs bis zu Osteoporose… fast so als würde man ein Schildchen umhängen haben das besagt: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen, das Verfallsdatum noch nicht da, aber schon recht nahe…

Diese Vorstellung gruselt mich. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es etliche Frauen gibt, die massive Schwierigkeiten mit dieser Umstellung haben. Für mich stellt sich jedoch die Frage: Inwiefern sitzen wir hier einem Modetrend und den Interessen unterschiedlicher Lobbyisten auf, die die Wechseljahre als etwas propagieren, was uns in Abhängigkeit von Medikamenten und eine Position der Machtlosigkeit bringen soll? Inwiefern bedingen Stress, Ernährung, das mangelnde sorgfältige Umgehen mit sich selbst und viele Fehlinformationen einen ganz hohen Anteil an dieser Symptomatik? Warum gibt es zum Beispiel so wenig Informationen darüber, dass es in manchen Ländern kaum Wechseljahresbeschwerden gibt, weil die es eine andere Ernährung gibt die reich an Phytohormonen ist und Frauenkörper scheinbar besser unterstützt? Oder: Inwieweit kann dieser Abschied von Regelblutung, Kinder-Großziehen und der Hitze, die man in sich erlebt nicht ein wunderbarer Motor sein, sich selbst neu zu erfinden?

Und Hand auf’s Herz: Für wie viele von uns mag die Argumentation: „Ich habe keine Lust mehr auf Sex, das kennt man ja in den Wechseljahren und trocken bin ich auch“ die willkommene Ausrede dafür sein, sich nicht mehr mit einem Sexleben beschäftigen zu müssen, was noch nie so prickelnd war wie man den Partner vielleicht hat glauben lassen? Und damit jede weitere Diskussion im Keim erstickt?

Erziehung, Werte und Moral

Nicht wenige von uns sind mit recht rigiden Vorstellungen in Bezug auf Sexualität, Körperlichkeit und Nacktsein groß geworden. Manchen ist dies bewusst, anderen weniger oder nur im Ansatz. Auch hier unterliegen Frauen einer wesentlich strengeren Sexualmoral als Männer. Wie sehr wir alle von den vielfachen Ge- und Verboten einer mehr oder minder Körper- und Lustfeindlichen Sozialisation geprägt sind ohne es wirklich vor Augen zu haben wurde mir erst dann so richtig bewusst, als ich mit Mitte 30 bemerkte, wie stark selbst ich davon geprägt war. Ich hatte den Hite-Report mit 16 gelesen (eine der umfassendsten Studien über die menschliche Sexualität die es damals gab), Masters und Johnson waren mir ein Begriff und Erica Jongs „Angst vorm Fliegen“ hatte ich inhaliert, bevor ich volljährig war. Mit anderen Worten:  Ich fühlte mich recht frei im Umgang mit meinem Körper und meiner Sexualität und jenseits von irgendeiner Verklemmtheit. Also war alles gut! So lange ich mich theoretisch über Sex unterhielt… . Aber über meine persönlichen Belange, Wünsche oder gar Phantasien zu reden ohne vor Scham oder Angst im Boden zu versinken… es dauerte Jahre bis ich das Gefühl hatte, mich da heraus laviert zu haben! 

 

Lösungen

Alleine diese nicht vollständige Aufzählung zeigt, wie komplex dieses Themengebiet ist. Aus unzähligen Gesprächen, vielen Fortbildungen und eigener Erfahrung kristallisieren sich ein paar wichtige Erkenntnisse heraus, wo Paare ansetzen können um sich wieder aufeinander zuzubewegen:

Raus aus der Komfort-Zone! Jeder Schritt auf diesem Gebiet wird sich am Anfang fremd, ungewohnt und unbequem anfühlen. Denn wir stoßen an Grenzen und Tabus, die uns oft gar nicht bewusst sind. Trotzdem lohnt sich dieser Weg, denn er führt in eine größere Freiheit und ermöglicht wunderschöne neue Erfahrungen zu sammeln. Eine gute Einstiegsmöglichkeit ist: 

Wissen zu erweitern: Die Sexualität bei Mann und Frau ist verschieden und kann sich prima ergänzen – aber man muss sehr viel wissen, um das richtige zu tun und auch um überhaupt die vielen Möglichkeiten zu erkennen, die uns körperliche Begegnung für die Erfahrung von Lust und Intimität bieten kann. Gute Bücher sind hier eine Möglichkeit sich weiter zu bilden. In unserem Shop haben wir eine Reihe von Büchern und Filmen zu diesem Thema zusammen gestellt. Doch sowenig wie man Fahrrad fahren aus Büchern lernen kann, kann man guten Sex durch Lesen alleine erreichen. Der Weg muss über die praktische Erfahrung zum erlebten Wissen werden, welches sich im Körper manifestiert und zu so manchen „Aha“ – Erlebnissen führt. Das was man in Büchern liest mit dem eigenen Partner umzusetzten, ist eine Möglichkeit. Neugierde und Experimentierfreude und Geduld voraus gesetzt. Aber es macht Sinn, auch hier über den Tellerrand hinaus zu blicken und sich Hilfe von Profis zu suchen, die tagtäglich mit diesem Thema zu tun haben. Praktische Erfahrung kann man sammeln, indem man Workshops und Seminare besucht die sich mit Sexualität, Tantra und Slow-Sex beschäftigen. Damit kann man nach und nach die eigenen Hemmschwellen herab setzen und seinen Erfahrungsschatz erweitern. So gibt es alleine bei Anlea uns zahlreiche Veranstaltungen, die an neue Varianten in der Sexualität heran führen. Von Massage-Demonstrationen über Tantra-Massage Workshops das Einüben der Sinnlich-Sexuellen Partnermeditation. Dies alles können wunderbare Einstiegspunkte sein um miteinander in die Kommunikation zu kommen. Nach und nach entsteht so eine neue Fähigkeit und Fertigkeit sich auszudrücken, Wünsche zu äußern und sich als Entdecker eines Unbekannten Landes fühlen zu dürfen. Anstelle von Frust treten Neugier und Entdeckerfreude. Anstelle von Patentrezepten entstehen individuelle neue Rituale. Eine Seminarteilnemerin drückte das sehr schön aus: „Ich habe manchmal sogar wieder Schmetterlinge im Bauch. So wie damals, als wir uns kennen lernten.“

 

 

 

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