Prostata Operation oft schädlich

Prostata Operation sind oft schädlichEine neue Studie, veröffentlich in New England Journal of Medicine ((Bd. 367, S. 203, 2012)) belegt: Prostata-Operationen verlängern häufig keine Leben sondern bringen dem Patienten nur Schaden. Wie Werner Bartens hat in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Juli 2012 sehr prägnant zusammen fasst: „Nach dem unnötigen Test folgt die unnötige Operation. Auch wenn der Eingriff gut verläuft, sind hinterher viele Männer impotent oder inkontinent. „

Hier der meiner Meinung nach sehr gute Artikel aus der SZ am 20.Juli 2012

Abwarten statt unters Messer

Viele Männer bekommen Angst, wenn sie die Diagnose Prostata-Krebs hören – und wollen so schnell wie möglich operiert werden. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass die OP bei der überwältigenden Mehrheit nutzlos ist, dafür aber gravierende Nebenwirkungen hat.

Von Werner Bartens

Nach dem unnötigen Test folgt die unnötige Operation. Auch wenn der Eingriff gut verläuft, sind hinterher viele Männer impotent oder inkontinent. So könnte man eine große Studie amerikanischer Urologen verstehen, die womöglich dazu beiträgt, dass ihre Kollegen künftig seltener zum Skalpell greifen – und damit vielen Männern unnötiges Leid ersparen. Im aktuellen New England Journal of Medicine zeigen Ärzte um Timothy Wilt, dass die chirurgische Entfernung der Prostata bei lokalem Krebs kein Leben rettet (Bd. 367, S. 203, 2012). Wer an dem begrenzten Tumor leidet, lebt ohne Behandlung genauso lange. „Viele Männer bekommen Angst, wenn sie die Diagnose Prostata-Krebs hören“, sagt Wilt, der an der Minnesota School of Medicine in Minneapolis tätig ist. „Sie denken, dass sie an dem Tumor sterben, wenn sie nicht therapiert werden. Unsere Daten zeigen jedoch eindeutig, dass dies nicht stimmt. Die überwältigende Mehrheit wird nicht an der Krankheit sterben, wenn sie unbehandelt bleibt.“ Für ihre Studie, die im renommiertesten medizinischen Fachblatt der Welt erschienen ist, haben die Urologen 731 Männer untersucht, die an einem auf die Vorsteherdrüse begrenzten Krebs litten. Nach dem Zufallsprinzip wurde bei der Hälfte die komplette Prostata entfernt, während bei der anderen Hälfte der weitere Krankheitsverlauf ohne Therapie begleitet wurde. Nach einer Beobachtungsdauer von bis zu 15 Jahren ließ sich kein Vorteil für operierte Männer erkennen: Weder starben mehr Männer in der Gruppe, die nicht unters Messer kam, aus anderen Gründen, noch gab es ohne Behandlung mehr Todesfälle durch den Prostatakrebs. „Diese Ergebnisse verändern die Spielregeln“, sagt Leonard Marks, Urologe an der University of California in Los Angeles. „Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass heutzutage eine Menge Prostata-Tumore diagnostiziert werden, die nicht gefährlich sind.“ In den USA leiden mehr als zwei Drittel aller Männer mit der Diagnose Prostata-Krebs an einer wenig aggressiven Frühform, die auf die Drüse begrenzt ist. Zumeist wird die Diagnose nach dem umstrittenen Bluttest auf prostataspezifisches Antigen (PSA) gestellt, auf den feingewebliche Untersuchungen folgen. Der PSA-Test ist ungenau und entdeckt so viele Tumore, von denen die Männer nie etwas bemerkt hätten. Deshalb haben sich Fachorganisationen – wie zuletzt die US Preventive Services Task Force im Mai 2012 – immer wieder gegen das Screening ausgesprochen In dem langen Beobachtungszeitraum der Studie starben nur 7,1 Prozent der mit Krebs diagnostizierten Männer an dem Tumor, wobei es keine statistisch relevanten Unterschiede zwischen der operierten und der nicht behandelten Gruppe gab. Lediglich jenen Männern, die ein entdifferenziertes und damit aggressiveres Karzinom sowie einen deutlich erhöhten PSA-Wert oberhalb von 10 Nanogramm pro Milliliter aufwiesen, bot die Operation Vorteile. „Die Mehrheit der Tumore, die man findet, müsste nicht gefunden werden“, sagt Ian Thompson von der Universität San Antonio. „Screening, Diagnostik und Therapie müssen sich auf die Krebsformen konzentrieren, die wirklich zählen.“

Schwierige Abwägung

In Deutschland werden zwar auch viele „opportunistische PSA-Tests“ angeboten, wie Jürgen Gschwend die Diagnostik ohne medizinischen Anlass nennt. Trotzdem sei der Anteil milder Frühformen des Prostata-Krebses hier geringer, vermutet der Direktor der Urologie am Klinikum der Technischen Universität München. „Die Abwägung zwischen aktiver Beobachtung und Operation ist schwierig“, sagt Gschwend. „Komplexe Aufklärung ist in diesem Fall extrem wichtig.“ Zwar führe die US-Studie auf den ersten Blick zu einer „enttäuschenden Bewertung der Operation“, doch aus einem Tumor mit geringem Risiko bei einem 55-Jährigen könne zehn Jahre später eben auch ein aggressiver Krebs werden. Etliche Männer sagen sich, dass sie nicht mit einem Tumor leben wollen und wählen gleich die Operation. Andere warten ab in dem Wissen, dass sich die meisten Prostata-Tumore nie bemerkbar machen – und dass sogar in einem auf die Operation spezialisierten Zentrum wie der Urologie der TU München nach dem Eingriff bis zu 30 Prozent der Männer impotent und 5 Prozent inkontinent sind.

Clea Nuss-Troles

4 Kommentare zu Prostata Operation oft schädlich

  1. Vielen Dank für diesen Artikel. Tatsächlich wird die Diagnose Prostatakrebs beinahe ausschließlich (bis auf wenige Ausnahmen zB PSA Vorsorge über den Hausarzt) durch Urologen gestellt. Von Diesen wird auch über mögliche Behandlungsoptionen (zB Operation, Bestrahlung, Hormontherapie, Kontrolle ohne Behandlung,..) aufgeklärt. Als Patient ist es wichtig, insbesondere wenn nur über die Operation als Therapiemöglichkeit informiert wird, auch nach Alternativen zu fragen. Evtl. sollte auch ein anderer Arzt der /die nicht in die eigentliche Behandlung involviert ist und sich mit der Materie auskennt (zB anderer Urologe oder Radioonkologe = Strahlentherapeut) zu dem Thema befragt werden, bevor man sich für einen schweren Eingriff entscheidet.

  2. Hallo Herr Kuczer,

    vielen Dank für ihren fachlichen und informativen Kommentar.

    Ich kenne einige Männer die eine Prostata-Massage hinter sich haben. Bei allen ist es so, dass sie impotent geworden sind. Ebenso bekommen wir öfters Anfragen von operierten Männern, ob wir ihnen helfen können und ob die Massage helfen kann, die Errektionsfähigkeit oder einen Teil ihrer Errektionsfähigkeit wieder zu erlangen.

    Die TU München sagt, das nur 30 % der Männer impotent werden und 5 % Inkontinenzprobleme bekommen. Meine Wahrnehmung ist eine völlig andere.

    Können Sie die Werte der TU bestätigen?

    Ich finde es sehr tragisch was den Männern mit einer Prostata-Operation angetan wird. Denn wenn ein Mann seine Potenz verliert, verliert er auch sehr viel von seiner männlichen Kraft.

    Frank Bleckmann

  3. Zum Thema Behandlung bei Prostatakrebs wurden im März 2014 erstmals die Langzeitergebnisse der Protonentherapie (Universitätsklinik Florida) veröffentlicht. 5 Jahres Überleben mit erhaltener Tumorkontrolle („progression free survival“): Prostatakrebs mit niedrigem Risiko: 99%, mittleres Risiko 99%, hohes Risiko: 76%
    Verträglichkeit: Grad 3 Nebenwirkungen (schwere Nebenwirkung) an Darm (zB Darmblutung) oder Blase (zB Inkontienz): 0,5 – 1% (gemäß Einteilung nach CTCAE v.4)

    Das sind bislang die besten Ergebnisse in Bezug auf Überleben und Therapieverträglichkeit die jemals bei einer Behandlung bei Prostatakrebs erreicht werden konnten (5 J. PFS sonst je nach Risikogruppe im Bereich 60 – 86%). Sollten diese guten Ergebnisse noch von anderen Kliniken bestätigt werden, so hat diese Behandlung hohes Potential zur Therapie der 1. Wahl zu werden.
    Nachzulesen unter: http://www.praxis-margareten.at/2014/prostatakrebs-heilungschancen/

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