Nichts ist umsonst

Nichts ist umsonst

Alles hat seinen Preis

Lange Zeit fand ich diesen Spruch einfach blöd. Warum sollte es so sein, dass alles etwas kostet? Doch je mehr ich mich damit beschäftigte, desto stärker drang sich der Gedanke auf: Kann es tatsächlich sein, dass alles seinen Preis hat?Es leuchtet mir durchaus ein, dass es im Bereich der Wirtschaft nicht anders möglich ist. Möchte ich ein Spiegelei zum Frühstück, muss ich Geld auf den Tisch legen um mir eines zu kaufen. Oder Hühner im eigenen Garten halten, für die ich Futter kaufen oder anderweitig beschaffen muss. Soweit so gut. Aber was ist mit meinem restlichen Leben? Gibt es da auch so etwas wie: Nichts ist umsonst? – Alles hat seinen Preis? 

Die Beobachtung an mir selbst und an meinem Umfeld zeigt mir: Ja, tatsächlich gibt es nichts umsonst. Auch wenn wir uns nur allzu gerne diese Illusion machen möchten. Doch so funktioniert das Leben nicht.

Nehmen wir als ganz einfaches Beispiel die körperliche Fitness: Möchte ich meinem Körper etwas Gutes tun, muss ich ihn in irgendeiner Form in Bewegung setzen. Der Preis dafür ist: Ich muss Bequemlichkeit und Couch eintauschen gegen Joggen, Schwimmen, Spazieren gehen oder Seilchen Springen. Ich habe die Wahl mir das auszusuchen, was mir am besten gefällt – aber gleichzeitig fitter zu werden und auf der Couch sitzen zu bleiben – das wird nicht funktionieren. Oder die berufliche Perspektive. Nehmen wir einmal an, ich bin in  meinem gegenwärtigen Job nicht sonderlich glücklich. Ich weiß eventuell sogar schon, was ich lieber machen würde. Was also hält mich zurück es einfach zu tun? Auch hier sind wir wieder beim Preis: Die Veränderung gibt es nicht umsonst! Ich muss das Bekannte eintauschen gegen das Unbekannte (Risiko). Ich muss mich meinen Ängsten stellen (wie wird das werden?) und irgendwann einen Entschluss fassen und es tun (Handeln). Dass dieser Prozess Energie kostet in Form von Gedanken, Selbstgesprächen und viel Für und Wider… Das weiß jeder, der das schon einmal durch gemacht hat.

Anderes Beispiel: Ich bin Single und sehne mich nach einer Beziehung… Ich kann hoffen und warten, dass sie mir irgendwann in den Schoß fällt – oder ich gehe es aktiv an und frage mich: Was in mir kann und will ich verändern, um eine positive Ausstrahlung zu haben die andere Menschen anzieht? Auch hier setze ich Energie ein, um Dinge in eine andere Bahn zu lenken. Vielleicht fange ich bei meinem Äußeren und meiner Garderobe an und gehe von da zu inneren Veränderungen über. In jedem Fall gilt: Mache ich alles so weiter wie bisher, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich etwas grundlegend verändern wird. 

Warum fällt es uns also oft so schwer, uns in Bewegung zu setzen und einfach zu tun, was unser Bauchgefühl uns schon lange sagt. Denn seien wir mal ehrlich: Jeder kennt diese leise Stimme die ihm einflüstert: „Tu dies oder lass jenes – es ist nicht gut für Dich so weiter zu machen… „

Nicht wahr? 

Das größte Hindernis scheint eine Mischung aus Angst vor dem Unbekannten und einer gewissen Bequemlichkeit zu sein sowie ein großes Bestreben nach Sicherheit. Wir hätten gerne manches anders im Leben, aber wir möchten bitte gleichzeitig alles festhalten, was uns lieb und teuer ist an Gewohntem. Es braucht einfach Energie! Wir sind nicht bereit, diesen Preis zu zahlen und sitzen der Illusion auf, wir könnten uns beides erhalten und müssten uns nicht wirklich bewegen. So grausam das klingt: Aber nicht wenigen Menschen ist die Opferrolle und das Klagen über Umstände deutlich lieber als jede Form von Veränderung! 

Eine kleine Anekdote dazu aus meinem eigenen Leben: Vor ein paar Jahren plante ich mit meinem damaligen Partner eine mehrmonatige Reise mit dem Wohnmobil durch Argentinien. Sobald wir darüber sprachen, waren die meisten Menschen sofort Feuer und Flamme für diese tolle Idee und mehr als ein Mal bekamen wir zu hören: DAS würde ich auch total gerne einmal machen. (Land und Transportmittel waren dabei austauschbar.) Daraufhin begannen wir zu erzählen was der Preis für dieses Abenteuer war: Ein Haus verkaufen, einen sicheren Job aufgeben, Lebensversicherungen auflösen… Die Begeisterung im Gegenüber brach innerhalb von Sekunden in sich zusammen. Keiner war bereit, DIESEN Preis dafür zu zahlen. Der nächste Satz lautete immer: DAS finde ich aber mutig was ihr da macht! Das würde ich mich nie trauen! „Wie schade“ dachte ich immer. „Die Menschen bringen sich um so viele Erfahrungen die kostbar sein können.“ Es war im übrigen auch tatsächlich so: Bis heute sind diese Reisen eine innere Schatzkiste an Eindrücken und Erfahrungen die mir sehr wertvoll sind und die mich sehr geprägt haben.

Aber scheinbar sind die Hürden: Sicherheit, Bequemlichkeit und Angst vielfach so groß, dass es gewaltiger Umstände bedarf bis wir bereit sind uns in Gang zu setzen. Diese einschneidenden Erlebnisse kommen meist in Form von Trennung, Job-Verlust oder Krankheit einher. Sie sind so massiv, dass sie uns in die Knie zwingen bis wir nicht mehr daran vorbei kommen ihnen ins Auge zu blicken und uns mit ihnen zu beschäftigen. Häufig reißen sie uns aus dem Gewohnten derart heraus, dass es ein Schock für uns ist und wir uns unseren tiefsten Ängsten unvermittelt gegenüber sehen. Und oft sind wir erst dann bereit uns ganz ernsthaft zu überlegen, ob wir noch auf dem richtigen Pfad sind.

Doch müssen wir es soweit kommen lassen? Ist es nicht viel intelligenter, immer mal wieder in sich hinein zu spüren und zu horchen, welche Pflänzchen der Veränderung sich vielleicht gerne ans Tageslicht wagen würden und unserer Aufmerksamkeit bedürfen? Und dann mutig die Schritte zu gehen, anstatt den Prozess immer wieder zu verzögern. Wahrscheinlich würden wir deutlich weniger Scherbenhaufen in uns und um uns herum produzieren, wären wir an dieser Stelle aufmerksamer und ehrlicher zu uns und würden in kleinen Schritten vorgehen. 

Interessant sind an dieser Stelle übrigens Gespräche und Erkenntnisse von Menschen, die sich im Sterbeprozess befinden. Auf die Frage, was sie am meisten bereuen würden am Ende ihres Lebens kommt oft: „Dass ich mein Leben nicht wirklich gelebt habe. Dass ich mich nicht getraut habe mehr der zu sein, der ich wirklich bin.“

Bingo! Diese Erkenntnis am Ende seines Lebens zu haben ist bitter und macht das Loslassen schwer!

Ein Spruch hat sich in mir eingebrannt und ich finde, den sollte man sich an den Kühlschrank heften, auf den Spiegel schreiben und auf den Schreibtisch stellen. 

„Wir glauben wir seien unsterblich. Deshalb tun wir nicht das, was wirklich wichtig ist.“ 

Genau so ist es. Denn alles hat seinen Preis. Wir können uns allerdings entscheiden ob wir ihn jetzt in kleinen Beträgen zahlen oder am Ende unseres Lebens, wenn unter Umständen eine große Summe zusammen gekommen ist und wir nichts mehr rückgängig machen können.

Ein Kommentar zu Nichts ist umsonst

  1. Dazu fällt mir folgendes Gedicht ein.
    Es fand mich in einer sehr schwierigen Phase und
    wenn ich merke, dass ich wieder mal zaudere und hadere,
    bringt es sich wieder in Erinnerung 😉

    Ich werde kein ungelebtes Leben sterben.
    Ich werde nicht in Angst leben vorm Fallen oder Feuer fangen.
    Ich wähle, meine Tage zu bewohnen,
    und erlaube meiner Lebensweise, mich zu öffnen,
    um mich weniger ängstlich sein zu lassen,
    zugänglicher,
    um mein Herz zu lösen,
    bis es ein Flügel wird,
    eine Fackel, ein Versprechen.

    Ich wähle, meine Wichtigkeit zu riskieren,
    so zu leben, dass das, was zu mir als Same kommt,
    als Blüte zum Nächsten geht,
    und das, was zu mir als Blüte kommt,
    weiter geht, als eine Frucht.

    ~ Dawna Markova

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