Mythos Masturbation – wie wichtig ist die Selbstbefriedigung für Frauen?

Masturbation für Frauen

Welche Bedeutung hat Masturbation für die Frau von heute.

Heute ist Masturbation für die meisten Frauen selbstverständlicher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Arbeiten vieler Sexualforscher in den 60er und 70er Jahren haben dazu beigetragen, das Wissen um die Sexualität erheblich zu erweitern und sie von vielen Mythen befreit.

Doch welchen Stellenwert hat die Masturbation für heutige Frauen?

Es ist gar nicht so lange her, da war Masturbation bei beiden Geschlechtern moralisch verpönt. Dies ging sogar so weit, dass peinlich darauf geachtet wurde, dass die Hände beim Schlaf über der Bettdecke blieben und es kursierten Gerüchte, Selbstbefriedigung löse  Rückenmarkserweichung und andere mysteriöse Krankheitszustände aus.

Es gab sogar keuschheitsgürtelartige Gerätschaften, die die Berührung und Stimulation der eigenen Geschlechtsteile verhindern sollte. Dies hat sich inzwischen verändert und für die meisten Menschen gehört Masturbation zum normalen Ausdruck ihrer Lust und Sexualität.

Sigmund Freud gehörte zu den Vorreitern der Aufklärung, in dem er es als Wissenschafter inmitten der prüden Wiener Society wagte, sexuelle Themen überhaupt aufzugreifen. Der Rückschluss, dass jegliches Problem sich auf den Sexualtrieb zurückführen lässt, war sicherlich zu eng gefasst. Dennoch rückte es zumindest in das Bewusstsein der Allgemeinheit, dass Menschen natürlicherweise sexuelle Wesen sind und dass auch Frauen einen Wunsch nach erfüllter Sexualität haben. Die sogenannte sexuelle Revolution hat in den 60er und 70er Jahren durch die Arbeiten der Sexualforscher  Masters & JohnsonAlfred Kinsey  oder auch Shere Hite viel Auftrieb bekommen. Sie räumte mit manchem Vorurteil, vor allem über die weibliche Sexualität, auf.

Unter Laborbedingungen wurden Daten und Fakten gesammelt und die unterschiedlichen Reaktionszyklen von Männern und Frauen dargestellt. Es wurde der Unterschied zwischen einem klitoralen und einem vaginalen Orgasmus beschrieben und in Tausenden von Interviews wurde das Sexualverhalten amerikanischer Männer und Frauen unter die Lupe genommen. All dies trug dazu bei, dass Sexualität freier und selbstbestimmter gelebt werden konnte. Die Zahl der Menschen, die sich selbst befriedigen – sowohl innerhalb wie außerhalb einer Partnerschaft – ist mit steigender Aufklärung demnach stetig angestiegen. Die Angaben über die Zahlen schwanken je nach Studie und Altersgruppe  zwischen 70-90% (Stern online ). Damit scheint belegt zu sein, dass die Masturbation durchaus ihren sinnvollen und wichtigen Platz auch im Leben vieler Frauen hat.

Doch wie steht es um die Lust bei der Masturbation?

Was bei den Studien nicht erfragt worden ist, ist der gefühlsmäßige Stellenwert den Frauen der Masturbation beimessen. Alleine die Tatsache, dass Frauen „es“ inzwischen auch regelmäßig machen, sagt noch nichts über Motivation und Lust dabei aus. Mich hat das neugierig gemacht und ich habe Frauen nach der Bedeutung gefragt, den Masturbation in ihrem Gefühls- und Liebesleben hat. Allgemeiner Tenor (übrigens auch bei vielen Männern war): es entspannt, es ist nett, es dient dem Triebabbau, es löst Druck, aber…. …aber, es macht nicht wirklich „satt“. Das Liebesspiel mit einem Partner – ob mit oder ohne Orgasmus – ist weitaus befriedigender. Dies deckt sich mit den Beobachtungen bei mir selber und ich habe mich gefragt, warum das so ist. In meinen Augen gibt es dafür mehrere Gründe: Es fehlt die Erotik und Anziehung: Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, entsteht etwas größeres drittes. Dieses Schwingungsfeld, welches sich durch den direkten Kontakt ergibt, löst idealerweise ein gegenseitiges Geben und Nehmen aus und lässt das Liebeshormon Oxytocin schon in der Begegnung und vor dem eigentlichen Liebesakt entstehen. Oxytocin ist bekannt als Bindungshormon und lässt bei Männern und Frauen gute Gefühle  von Nähe und Geborgenheit entstehen. Man nimmt sich nicht genug Zeit: Um aus der Masturbation mit sich selbst ein wirkliches Liebesspiel entstehen zu lassen, müsste man sich mehr Zeit nehmen. Wie bei einem romantischen Abend zu zweit, müsste man ein Stelldichein mit sich selbst kreieren und sich auf Entdeckungsreise begeben. Dies hat selten nach einem erfüllten Arbeitstag Platz und fällt aufgrund von mangelnder Wichtigkeit oft weg. Man glaubt, sich schon gut zu kennen: Wer glaubt, dass er sich schon gut kennt und nichts neues entdecken wird, nimmt sich nicht die Zeit für neue Erkundungen bei der Masturbation. Daher ist der Entdeckerinnen-Geist eher mäßig ausgeprägt. Es fehlt die Penetration: Obwohl manche Quellen immer noch davon ausgehen, Frauen würden wenig Wert auf Penetration legen, weil die Vagina zu wenig Nervenenden besäße um starke, angenehme Gefühle auszulösen (Magnus-Hirschfeld-Archiv für Sexualwissenschaft), ist dies in meinen Augen ein wichtiger Grund für die als nicht ganz so lustvoll empfundene Masturbation bei vielen Frauen. Frauenlust ist sehr unterschiedlich und für manche Frauen ist eine klitorale Stimulation wichtiger als eine vaginale Stimulation. Frauen jedoch, die das Gefühl der Penetration lieben, kommen bei der Masturbation zu kurz. Natürlich gibt es Dildos und alle möglichen Gegenstände, die man sich einführen könnte bei der Selbstbefriedigung. Aufgrund des Winkels und der fehlenden Kraft ist das ein jedoch eher akrobatischer Akt und trägt wenig zu einer entspannten Körperhaltung und zu ausdauernden Lustgefühlen ein. Für mich ist letzteres einer der Hauptgründe, warum Masturbation einen wesentlich geringeren Stellenwert hat als das Zusammensein mit einem Liebespartner. Interessieren würde mich, welche Erfahrungen andere Frauen machen und welche Bedeutung die Masturbation in ihrem Leben hat. 

 

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