Meditation – wofür?

 

IMG_2463Diese Frage wird mir oft gestellt. Auch, ob sie vergleichbar ist mit Autogenem Training. Oder Yoga… „Nein“ sage ich dann. Meditation ist anders, geht tiefer, ist ein inniger Dialog mit Dir selbst und dem göttlichen in Dir. Sie gibt Dir die Ruhe die Du brauchst, um diese herausfordernden Zeiten zu meistern. 

Die Zeiten ändern sich. Dass nichts so beständig ist wie die Veränderung ist eine Binsenweisheit. Aber wir leben in einem Zeitalter das ein Tempo entwickelt hat, welches vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes den Atem raubt. Eine Flut von Informationen aus der ganzen Welt prasseln täglich auf uns ein. Spätestens seit den Attentaten von Paris und den Flüchtlingswellen die auf uns zurollen merken wir: Wir können uns von den dramatischen Ereignissen, die in vielen Teilen der Welt alltäglich sind, nicht mehr abkoppeln und so tun, als würde uns ein unsichtbarer Kokon vor den sich anbahnenden Entwicklungen schützen. Diese Entwicklungen können leicht als bedrohlich empfunden werden und weitere Eskalationen nach sich ziehen. Hier gilt es besonders eine innere Ruhe zu bewahren und besonnen und friedfertig zu handeln.

Dass ein französischer Präsident aus lauter Verzweiflung gleich nach Krieg und Vergeltung schreit, ist menschlich, aber nicht sehr weise. Von den Personen, denen wir den Auftrag gegeben haben die Geschicke der Nationen zu lenken, sollten wir also besser nicht zu viel erwarten. Vorbei sind die Zeiten, als ein Rat von weisen Menschen mit Weitsicht und Lebenserfahrung beratschlagte um zu überlegen, wie Zeiten der Krise zu überstehen sind. Umgeben sind wir stattdessen von höchst emotionalen, ihre eigenen Pfründe und Vormachtstellung behauptenden Individuen, die selten das Wohl aller sondern eher das einiger weniger im Auge haben. Was nur einen Rückschluss zulässt: Wir müssen bei uns selbst anfangen um weniger manipulierbar zu sein. An der eigenen inneren Weisheit arbeiten. Konflikte austragen, ohne dass sie eskalieren und unsere ganz eigenen Mutproben und Herausforderungen im Alltag bestehen. Die eigene innere Ethik entwickeln und uns von vordergründigen gesellschaftlichen Strömungen abkoppeln, die der Eskalation und Trennung dienen.

In der Theorie würden mir sicherlich viele zustimmen. Aber wie ist das in dem Moment, wo uns jemand verbal oder emotional angreift, unsere Schwachpunkte bombardiert und oder uns einfach nur im Verkehr die Vorfahrt nimmt? Schaffen wir es dann immer noch ganz friedlich zu bleiben, nicht zurück zu schimpfen, uns zu verteidigen, zu erklären oder einen Machtkampf vom Zaun zu brechen? Lassen wir es zu, dass unsere Energie absorbiert wird von Ereignissen im Außen oder haben wir genügend innere Stabilität, um dem zu trotzen und uns aus solchen Anfeindungen zurück zu ziehen? Und wie sieht es mit dem eigenen Anspruch aus wenn es darum geht, ein wenig zu lästern, zu tratschen oder sich über andere lustig zu machen? Wie friedfertig ist das? 

Genau hier setzt Meditation ein. Dabei ist es völlig egal, dass dies für den einen die innere Besinnung bei einem Glas Rotwein auf der Couch ist und für den anderen der Spaziergang durch die Natur oder die Meditation auf dem Meditationskissen. Es gibt ganz unterschiedliche Wege, um mit sich selbst in Kontakt zu treten. Aber wir brauchen diese Zeit und den Raum um wieder sensibel zu werden für die innere Stimme, die IMMER da ist und der wir oft kein Gehör schenken. Diese Intuition, die uns unser ganzes Leben lang leitet und uns nie im Stich lässt. Und die wir nur hören wenn wir in die Stille gehen. Sie schweigt wenn wir Fernseh schauen oder shoppen oder und ablenken. Sie fällt nicht wie ein Schild vom Himmel vor unsere Füsse und sagt uns in großen Lettern: TU DIES und LASS DAS. Sie ist leise und subtil, aber nichts desto trotz immer da. Um das Gehör dafür wieder zu schulen – dafür ist diese Zeit der inneren Einkehr unabdingbar. Wir brauchen diese Einkehr um uns zu stabilisieren, uns nach und nach von unseren Ängsten zu verabschieden und um heraus zu finden, wo unser ganz individueller Weg hingehen soll. Wir tragen unsere eigene menschliche Ethik in uns. Keiner muss uns sagen, dass Töten nicht in Ordnung ist und Teilen Freude macht. Es sind Prinzipien des Lebens die in uns verankert sind und die uns völlig klar ein ehrenhaftes Verhalten auferlegen, wenn wir darauf hören wollen.

Fragt man die Menschen was sie am meisten vermissen in ihrem Leben so höre ich oft: Das Gefühl von innerem Frieden. Genau darum geht es. In der Meditation und in der Natur ist er erfahrbar. Auch im Zusammensein mit Menschen, die uns  gut tun. Aber in allererster Linie müssen wir ihn in uns selbst erfahrbar machen, um von dort aus in die Welt zu strahlen. Das bedeutet Abschied nehmen von gesellschaftlich unterstütztem Gedankengut wie:  „Der hat mir weh getan, hat das und das gesagt und deshalb habe ich das Recht ihm 20 Jahre lang böse zu sein.“ Es bedeutet sich zu verabschieden von jeder Form von Rechtfertigung: „Weil mein Vater mich geschlagen hat habe ich das Recht, 40 Jahre später noch unglücklich zu sein…“ Was für ein Unsinn! DAS soll erwachsen sein? Das ist in höchstem Masse infantil und wir müssen uns nicht wundern, dass die Welt in diesem Chaos steckt wenn jeder einzelne von uns bewusst und unbewusst genau solche Denk- und Gefühlskreisläufe in sich trägt und nährt.

Wenn es eine Botschaft gibt, gerade um diese Jahreszeit wenn es auf Weihnachten zugeht, dann die: Der Frieden fängt in jedem einzelnen von uns an. Und nur von dort kann er auf die Nationen übergreifen. 

Wie wäre es wenn wir das Paradigma „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ umkehren in: „Wir sind alle nicht perfekt. Aber wir sind hier um mit- und aneinander zu lernen. Ich verzeihe Dir und mir und lass uns schauen, wie wir in Zukunft miteinander umgehen wollen und wie ich das Beste aus mir heraus holen kann um das zu verwirklichen.“ 

Damit kann ein Fest der Lichtes und der Liebe wirklich entstehen. Und irgendwie so muss Jesus das gemeint haben. Damals… 

 

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