Tantra für Menschen mit Behinderung

„Du bist besonders!“

Zumindest sagt man Dir das oder zeigt es dir auf!

Immer war das so, deshalb glaubst du es auch selbst. 
„Mit mir stimmt was nicht! Ich bin anders! „
Ich verspreche dir : bei uns bist du das nicht! 
Du bist für uns ein Gast, der sich nach Berührung sehnt, wie jeder andere auch. 
Denn Dein Kopf, Deine Gefühle, Deine Seele, Dein Sehnen, Deine Bedürfnisse funktionieren unabhängig von deinem Körper. Sie sind da, wie bei jedem anderen Menschen auch. 
Und hier mag es einen Unterschied geben. 
Dein Körper hindert Dich daran Erfüllung zu finden. Er hindert Dein Umfeld daran, Dir nah‘ zukommen. 
Du bewegst dich auffällig, läufst nur schwerfällig, vielleicht mit Hilfsmitteln. Oder bist sogar auf Rädern unterwegs? 
Deine Muskeln gehorchen dir nicht, sie sind so hyperton, dass sie deinen Körper lähmen. Oder sie sind so schlapp, dass dir das Gewicht eines Kulis wie 100kg vorkommt. Wie soll man dann eine Jeans anziehen oder das eigene Gewicht tragen? 
Vielleicht mag es auch zutreffen, dass du nur mit einem Teil, der Hälfte deines Körpers uneins bist, vielleicht ist er gar nicht erst vorhanden. 

Wie auch immer es sein mag, die Berührungen, die du erfährst sind wohl eher funktionaler Art und wenig achtsam oder gar sinnlich. 

Wenn Dir achtsame, sinnliche Berührung fehlt, Dir Geborgenheit und Angenommensein wichtig sind, dann bist Du bei uns richtig! 

Handicap und Sexualität

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist es oft besonders herausfordernd eine lustvolle, selbstbestimmte und erfüllte Sexualität zu leben und ihren Körper als „Ganzes“ wahr zu nehmen. Mehr als andere müssen sie sich damit beschäftigen, wie sie sich ihre Wünsche und Sehnsüchte erfüllen können und wo sie kreativ neue Wege beschreiten müssen.

Hinzu kommt, dass sie häufig – je nach Art der Einschränkung – für die Verrichtung alltäglicher Dinge auf helfende Hände Dritter angewiesen sind. Das führt dazu, dass Berührung leicht als zweckgebunden und funktional erlebt wird und in diesem Zusammenhang einen anderen, nicht nur schönen,  Kontext bekommt, zuweilen sogar als große Belastung empfunden wird.

Liebevolle Berührung zu erhalten und sich als sexuelles Wesen zu erleben, hat in diesem Zusammenhang einen ganz besonderen Stellenwert.

Wir glauben, dass unsere Art Menschen respektvoll zu begegnen und sie in Ihrem ganzen Sein wahrzunehmen, eine schöne Möglichkeit ist, sich in seinem Körper neu, bereichernd – und oft anders – zu erleben. 

Unsere Räume ermöglichen Tantra-Massagen für Menschen mit Behinderung

Unsere Räume sind barrierefrei und verfügen über ausreichend breite Türen für Rollstuhlfahrer, auch in den sanitären Einrichtungen.  Wir sind persönlich bei allen Handreichungen gerne behilflich, so dass in der Regel keine externe Assistenz notwendig ist. Wir verfügen über eine Menge Kreativität und ein   „Geht nicht“ gibt es bei uns nicht.  Gerne finden wir mit Ihnen zusammen Lösungen und Möglichkeiten, um Ihnen ein unvergessliches Erlebnis in unseren Räumen zu ermöglichen die dazu beiträgt, Ihre Lebensqualität um ein Stück Freiheit, Lust und Selbstbestimmung zu bereichern.

Erfahren Sie hier, wie ich die Massage mit Harald erlebt habe. Einem Mann, der seit frühester Jugend an Muskelschwund leidet.

Feedback eines Menschen mit Muskelschwund, der sich zur Tantramassage entschlossen hat:

„tantra? für mich? nein, niemals. geht gar nicht. punkt. dank muskelschwund kaum zu einer eigenen bewegung fähig, wie sollte das wohl ablaufen? und überhaupt: mit einem e-rollstuhl dahin, das dürfte wohl kaum überhaupt möglich sein… und selbst wenn: ein körper, nackt, an dem schon viele muskeln geschwunden sind – das hat da sicher noch niemand gesehen, schon gar nicht angefasst… beine und körper müssen erstmal liegend gelagert werden – und dann?

also schiebe ich es weg -und bin doch auch interessiert. solll ich es einfach mal wagen? was gibt es eigentlich zu verlieren? tage vergehen, wochen… also gut, ich versuche es. 

und es war eine der besten entscheidungen meines lebens – und das ist nicht übertrieben.

schon mein erstes gespräch mit clea verlief so viel schöner als erwartet. sofort stellte sich dabei erstmals zuversicht ein. probleme werden gelöst. „wir machen das.“ – und das haben wir. 

zugänglichkeit mit einem rollstuhl? ja, kein problem. mehr zeit für alles? gar kein problem. zeit wird sowieso unwichtig. lagern mit kissen und allem was man braucht? ja, und siehe da: das geht sogar sehr gut. 

und dann kam meine erste tantra-massage. ich kann heute nicht mehr genau sagen, was ich erwartet hatte. das jedenfalls nicht. was für wunderbare stunden! zu anfang noch in vollem bewusstsein, änderte sich das langsam. man ist wirklich woanders. es ist so viel mehr als die bisher gewohnte „physiotherapie“, überhaupt gibt es einfach keine beschreibung oder begrifflichkeit die das treffen würde, was man da erleben darf…

also ist es möglich, tantra und behinderung? ganz sicher: ja. auch bei muskelschwund? bei etwas weniger einschränkung und auch bei etwas mehr? vielleicht sogar bei weitgehender bewegungsunfähigkeit, sogar bei beatmung? ja, das alles spielt keine entscheidende rolle. „wir machen das“ – warum habe ich so lange gezweifelt? warum habe ich überhaupt gezweifelt?

traut euch! macht es! es wird wunderbar!“

Harald

Feedback von Markus, der eine spastische Behinderung hat und dessen Leben sich durch die Berührung mit Tantra nachhaltig verändert hat

Warum mich Tantra begeistert…

viele der Gründe, warum mich der tantrische Weg, Tantramassage heute so begeistert, liegt wohl schon am Beginn meines Lebens: Im Herbst 1975 als Frühgeburt mit Sauerstoffmangel zur Welt gekommen, hatte mein Leben keinen „normalen“ Start.  Keiner meiner Kinderärzte vermutete, dass ich je laufen würde laufen können und sagte mir aufgrund meiner angeborenen spastischen Gehbehinderung den Rollstuhl als Fortbewegungsmittel voraus. 

Meine Kinder und Jugendzeit verlief in einer gefestigten Familie. Und doch gab es immer wieder Momente des „Sich- ausgeschlossen-Fühlens und der Reduktion auf: „Ach, der Junge ist behindert, der kann das nicht!“ Ob das beim Sport war oder bei körperlichen Arbeiten, die man mir nicht zutraute.  Oft war ich eben doch ein Außenseiter, der sich vieles beharrlich und mit Hilfe guter Ärzte und Physiotherapeuten erkämpfen musste, was für andere Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich war. Als Beispiel sei hier nur das Fahrradfahren genannt. Hier bin ich sicherlich 50 mal öfter hingefallen als andere Jungs, aber ich lernte es! Dennoch gerade aus diesem „immer-wieder-Aufstehen-Können“ entstand wohl meine besondere Zeit im aktiven Behindertensport, mit den Höhepunkten von 2 deutschen Rekorden über 5.000 und 10.000 m auf der Bahn in der Startklasse T 35 (2009, 2010).

Besonders die Zeit als Jugendlicher war nicht leicht. Ich wollte so normal sein wie nur irgend möglich, stieß aber gerade dann sehr oft auf Ablehnung, wenn ich mein damals geringes Selbstbewusstsein zusammenkratzte und mich traute ein Mädchen, ich das ich mich natürlich auch verliebt hatte, einfach anzusprechen. Das Gefühl des Verliebtseins fragt nämlich nicht danach, ob du behindert bist oder nicht, es passiert einfach. Ja, und natürlich gab es bittere Abfuhren, die ich damals nicht verstanden habe, heute aber nachvollziehen kann. Es fehlte dem Gegenüber einfach an Erfahrung und eigenem Selbstbewusstsein um zu einem Partner, der körperlich behindert ist, stehen zu können. Dennoch brach damals, mit 16 oder 18 Jahren, für mich natürlich eine Welt zusammen. 

Meine Sehnsucht nach Nähe und danach, einfach angenommen zu werden, irgendwo anzukommen, blieb lange unerfüllt. Auch aus heutiger Sicht betrachtete Irrwege, wie käuflicher Sex oder das sexuelle Ausleben in Swingerclubs, änderten an der unerfüllten Sehnsucht nur ganz kurzzeitig, im Moment des Erlebens etwas. Danach jedoch fühlte ich mich um so leerer und total einsam. Das „normale“ Erleben einer Beziehung war mir lange nicht möglich. Erst mit Ende 20 ergaben sich über Internetkontakte Fernbeziehungen zu ebenfalls behinderten Partnerinnen – eine glückliche Zeit! Endlich durfte ich ein normales Leben führen. Doch auch diese Beziehungen hielten, aus verschiedenen Gründen, oft nur ein gutes Jahr.

 So kam es, dass ich um die Zeit meines Geburtstages vor gut 5 Jahren Single war und nach etwas Neuem, wertvollen suchte, was ich noch nicht kannte.  Letztlich war es meine auch heute noch ungebrochene Neugier,  die mich dazu brachte, mir in Köln in einem großen Institut meine erste Tantra-Massage selbst zu schenken. Ein Erlebnis, was mich nachhaltig geprägt hat und mir auch heute noch wie gestern bewusst ist. Es ging mir damals nicht um ein sexuelles Erlebnis, nein, davon hatte ich mehr als genug. Ich wollte mich angenommen fühlen, so wie ich bin – vorbehaltlos, ja wertfrei. 

Ganz wichtig war mir dabei, im Vorfeld mit der Frau, von der ich die Massage empfangen durfte, am Telefon zu sprechen und ihr die Besonderheit meiner Behinderung zu erklären. Ich wollte sie damit vorbereiten und sozusagen schon am Telefon spüren, ob ich zu diesem – mir ja noch unbekannten Menschen – eine gemeinsame Basis, ja Vertrauen finden könnte. Dieses Art Vorgespräch, das noch vor dem einleitenden üblichen Gespräch vor jeder tantrischen Begegnung stattfand, war mir wichtig.

Ich hatte vorher nie ein Buch über Tantra gelesen, aber ich habe an diesem Tag gefühlt und erlebt was es bedeutet, dort abgeholt zu werden, wo man gerade steht und auf sehr achtsame und respektvolle Weise das an Nähe, Berührung, Wärme, Angenommen- und Gewollt-Sein zu bekommen, was jeder von uns so sehr braucht wie die Luft zum atmen. Und Menschen mit Behinderungen brauchen dies, was sie im Alltag so selten leben können, vielleicht noch ein Stück mehr als andere. 

Für mich war dies ein tragendes, absolut erfüllendes und glücklich machendes Erlebnis. Sozusagen der Startpunkt für einen neuen Abschnitt in meinen Leben. Diesem ersten tantrischen Erlebnis folgten weitere tantrische Massageerlebnisse und mir wurde innerlich klar: Das ist dein Weg, hier bist du frei und glücklich, zwanglos und angenommen, so wie du bist und auch mit deinen spastisch behinderten Beinen. 

Der eigentlich logische nächste Schritt war die Teilnahme an tantrischen Gruppenseminaren im Urlaub. Was mich hier begeisterte war nicht unbedingt das Erleben einer tantrischen Massage, sondern dieses besondere Gruppengefühl. Die Kraft, die von einer solchen Gruppe ausgeht und die einen selbst mittragen kann, ist riesig. Jeder für sich selbst kommt dort mit seinem Thema an und stellt sich damit der Gruppe und die Gruppe trägt Jeden, der sich ihr vorbehaltlos öffnet. Anfangs völlig fremde Menschen treffen sich für eine Woche,  erleben einen besonderen Weg zu sich selbst miteinander und gehen sehr oft am letzten Tag als Freunde auseinander. Ich erlebte sehr tief gehende und berührende Erlebnisse in diesen Seminartagen. Selbst im Alltag bemerkte ich an mir, dass ich, anders als bisher, feinfühliger mit den Menschen umging die mir im Alltag begegnet sind. Ja, wenn man es so sagen will, haben diese Erlebnisse meinen Alltag nachhaltig verändert. 

In den bisher 6 Seminarwochen wurde ich oft und von vielen auch bewundert für meinen Mut, mich als einziger Mensch mit einer Behinderung so offen, ja auch nackt vor den anderen der Gruppe zu zeigen, was aber für mich selbst überhaupt kein Problem war und ist. Vielleicht auch durch das gewachsene Selbstbewusstsein, die mir die Erfolge im Behindertensport vermittelt hatten. Sehr oft kam es aber vor, dass andere Seminarteilnehmer aber ein Problem damit hatten auf mich zuzugehen, weil sie doch innerliche unbewusste Vorurteile hatten oder dachten, sie könnten etwas falsch machen, mich gar verletzen. 

Da half mir nur, selbst offensiv zu sein, eine kleine Rede zum Thema meiner Behinderung vor der Gruppe zu halten, oft meine innersten Gedanken preis zu geben, was auch mir nicht immer leicht fiel, aber letztlich zielführend war. Die Gruppe verlor ihre Scheu und kam auf mich und damit war ein tantrisches Miteinander, völlig frei und störenden Gedanken, überhaupt erst möglich. 

Durch die vielen Kontakte zu Menschen mit Behinderung wurde mir bewusst, wie groß auch bei Anderen der Bedarf an achtsamer Berührung und Nähe ist. So reifte in mir der Gedanke, selbst eine tantrische Ausbildung zu absolvieren, um das Thema speziell für Menschen mit Behinderungen anzubieten. Und als einer von ihnen natürlich auch schnell eine Basis und Vertrauen für eine Massage aufbauen zu können.

Diesen Gedanken setzte ich im Sommer 2013 mit einer tantrischen Ausbildung bei Andana Wave in Köln in die Tat um. Es war ein sehr bewegendes Ausbildungsseminar mit berührenden Begegnungen.  Der Gedanke und der Wunsch, dies weiterzugeben und umzusetzen, verfestigte sich immer mehr in mir.

Das ist eine von meinen Zukunftsvisionen: Speziell für Menschen mit Behinderungen ein besonderes Angebot für einen gemeinsamen, achtsamen, tantrischen Weg zu finden.  Ich sehe das als Einladung sich angenommen und gehalten fühlen zu dürfen an. Ohne jeden vorbehaltlichen Gedanken genau dort abgeholt zu werden, wo man gerade steht. 

Last uns diesen Weg gemeinsam gehen. 

Namaste 

Markus 

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Ein herausforderndes Buch, das unsere inneren Gesetze über Schönheit über den Haufen wirft.