Leidenschaft

Leidenschaft - Lust am Leben

Leidenschaft – Lust am Leben

Ich bin 50, ich werde Oma und ich bin eine leidenschaftliche Frau. Damit meine ich nicht nur mein sexuelles Er-leben, sondern meine gesamte Haltung dem Leben gegenüber. Man kann sie nicht wirklich definieren, sondern sie äußert sich in einem Lebensgefühl welches man am besten ausdrücken könnte mit dem Satz: „Jetzt erst recht!“.

Herkunft des Wortes „Leidenschaft“

Betrachtet man das Wort Leidenschaft ethymologisch, so scheint immer das Wort „Leiden“ mitzuschwingen.

Auch der englische Begriff „passion“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort „passio – Leiden, Krankheit“ und findet sich als „Passion“ in der christlichen Lehre wieder, die das Leiden und Sterben Christi und seiner Kreuzigung bezeichnet. Wesensverwandt ist das etwas altertümliche Wort „Inbrunst“ welches herstammt von den Worten „in = Innen“ und „Brunst“ als eine Ableitung von brennen – also ein Feuer, welches im inneren lodert und dem was ich meine,  vermeintlich näher kommt. Zuerst bin ich darüber gestolpert, dass diese innere Liebe zum Leben die ich fühle mit dem Wort „Leidenschaft“ umschrieben wird und vordergründig so gar nichts mit Leiden zu tun hat. Dachte ich. Dann habe ich angefangen nachzuspüren, was genau mich denn an diesen Punkt des Lebens gebracht hat, nämlich dass ich mein Leben mit all seinen Herausforderungen heute mehr und inbrünstiger liebe als je zuvor.

Es war das Wachsen an genau diesen Hindernissen, die mich auf ein immer größeres Verständnis meiner selbst und meiner Mitmenschen gebracht haben und ich bin zwischendurch durch viele Feuer gegangen, verbrannt und wieder auferstanden. Zwischendurch habe ich immer gelitten – also Leid erfahren – aber nach einigen Kreuzigungen wusste ich, dass es vorüber geht und dass der Schmerz einfach hinaus gespült werden muss. Ich entschied mich dafür Tränen zu vergießen und mein Leid zu spüren – und es brachte mich immer ein Stück weiter und machte Platz für neue Lebensfreude und neues Licht in mir.

Was uns fehlt

Mir begegnen in meiner Arbeit täglich Menschen die spüren dass ihnen etwas fehlt. Vordergründig mag es der falsche Job, Schwierigkeiten in der Ehe, mangelnder Sex oder körperliche Einschränkungen sein – im Grunde genommen handelt es sich aber darum, dass vielen einfach die Leidenschaft fürs Leben abhanden gekommen ist. Sich spüren sich nicht mehr, sie spüren nicht mehr das innere, brennende Feuer welches ihr Leben zu etwas ganz besonderem macht. Sie sind aufgerieben zwischen Verpflichtungen, Job, Familie und Karriere und sind innerlich doch nicht satt. Viele sind bis an ihre Grenzen herausgefordert, manch einer durch die Diagnose einer bedrohlichen Krankheit. Im Grunde genommen ist es aber immer nur der Aufruf des Lebens welches fragt: Wo ist Deine Leidenschaft geblieben?

Squirting und die Lust am Leben

Damit komme ich zu uns Frauen: Warum ist das Thema Squirting in diesem Blog mit so viel Resonanz aufgenommen worden? Warum erreichen uns Anfragen, mit dem Squriting-Vortrag durch Deutschland zu reisen und das Thema bundesweit publik zu machen? Warum sind Männer (und zwar mehr Männer als Frauen zur Zeit) daran interessiert, etwas über dieses lustvolle Abspritzen zu erfahren und es bei ihren Partnerinnen auszulösen? Ich glaube, dass es hier um etwas geht, was viel größer ist als ein bisschen – oder mehr – Ejakulat zu verspritzen. Es geht um Sehnsucht nach der urweiblichen Kraft die dahinter steht. Die Kraft, die uns das Leben lustvoll bei den Hörnern packen lässt und die dazu führt, dass wir uns  nicht unterkriegen assen. Sqiurten verbindet uns Frauen mit einer tiefen Quelle der Lebenslust in uns selbst, mit der Urfrau in uns, mit dem Urinstinkt mit dem wir schon in der Steinzeit Wildtiere vom Feuer verjagt haben, während wir gleichzeitig ein Baby auf dem Arm schaukelten und mit der anderen Hand das Essen im Kochtopf herum rührten. Es ist genau diese Kraft, die so vielen Frauen heute abhanden gekommen ist und die die Welt dringend braucht, um zu gesunden. Sie ist in der Sexualität auszuleben ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem gesamten Leben, aber hier können wir sie erfahren und ihr nahe kommen.

Entdecke die Wölfin in Dir

Von dieser Kraft haben wir uns abschneiden lassen, lange  Zeit und nachhaltig. Das habe ich als Hebamme im Kreißsaal erlebt, das erlebe ich wenn Frauen in der Tantra-Massage ganz viel Zeit brauchen um sich zu spüren, das höre ich wenn mir Männer berichten, ihre Frauen seien in den Wechseljahren und deshalb wäre jetzt alles schwierig und sie fühlten sich krank… Was vermeintlich vielfältige Ursachen hat, lässt sich meines Erachtens auf etwas Wesentliches reduzieren. Es geht immer nur um das Eine: uns mit der Ur-Frau in uns zu verbinden, die Ängste abzuschütteln die uns Hexenverbrennung, Traumata und sexuelle Übergriffe angetan haben und uns auf uns selber zu besinnen um stark und an den Seiten toller Männer in diese Welt zu gehen. Clarissa Pinkola-Estes hat wie keine andere diese instinktverbundene Wolfsfrau beschrieben und auch die Fallen, in die wir als Weibchen tappen, die uns aber stark und weise machen und denen wir erhobenen Hauptes wieder entsteigen können. Ein Buch, welches auf keinem Nachttisch einer Frau fehlen sollte.

Kreative Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme

Dabei hat es meines Erachtens wenig Zweck, sich am großen System zu reiben und sich kräfteverzehrend langsam aufzubrauchen. Die Diskussion um die Beiträge zur Hebammen-Haftpflichtversicherung, die etwa ein Viertel der Jahreseinkünfte verschlingt und weiter steigen soll, ist dafür ein gutes Beispiel. Es wurde eine Menge protestiert und viel Bewusstsein geschaffen und ich bewundere die Kolleginnen, die dies mit viel Mut und Engagement gemacht haben. Doch was wäre, wenn man hier völlig neue Wege beschreiten würde? Indem man zum Beispiel ein Konto einrichtet, auf dass jeder Bundesbürger pro Kopf 1,-€ einzahlt – würden sich auch nur die Hälfte der Menschen in Deutschland beteiligen, kämen über 40.000 000,-€ zusammen. Von diesem Geld könnten die Hebammen ihre Haftpflichtversicherung über Jahre hinaus bezahlen. Die Menschen, die alle durch die Hilfe von Hebammen auf die Welt kommen, hätten Solidarität gezeigt und die Hebammen könnten ihre wertvolle Zeit mit ihrer eigentlichen Arbeit verbringen statt frustriert und desillusioniert ihren Job hin zu schmeißen, wie es viele Kolleginnen gemacht haben. Meine gesamte Freude an der Arbeit ist geprägt davon, Menschen bei der Entdeckung ihrer eigenen Lebens-Lust zur Seite zu stehen. Es gibt nichts schöneres, als das Leuchten in den Augen eines Menschen zu sehen, der nach der Massage wieder eine Ahnung davon bekommen hat, wer er im Grunde seines Wesens wirklich ist. Dies habe ich auch in den Augen von Eltern gesehen, wenn sie ihr Neugeborenes nach einer sanften Geburt in aller Ruhe in den Armen hielten.

Sinnliche Geburtsvorbereitungskurse

Ich sprudele über vor Ideen und viele lang geknüpfte Lebensfäden laufen jetzt zusammen und entwerfen ein neues Geflecht meiner Arbeit, in dem mein Wissen als Hebamme, als Integraler Coach und als Tantra-Masseurin zusammen fließen. Zusammen mit einer Hebammenkollegin werde ich beginnen, sinnliche Geburtsvorbereitungskurse zu geben die Frauen darin inspirieren, sich mit der Urkraft in sich zu verbinden. Statt den Kopf mit schönen Theorien über Geburt zu füttern, wird in diesen Kursen kraftvoll erfahrbar werden, dass wir Frauen unermesslich starke Geschöpfe sind und Geburt ein zutiefst sinnliches und orgiastisches Erleben sein kann. Auch Tantra-Massagen in der Schwangerschaft können ein Weg in dieses Erleben sein. Ich bin heute an einem Punkt in meinem Leben an dem mir immer gleichgültiger wird, was die Menschen über mich denken. Wenn es darum geht, mein inneres Feuer ausdrücken und damit andere Menschen zu inspirieren, lohnt es sich alle Mal. Wir stehen am Rande eines Abgrundes und wenn wir nicht beginnen aufzustehen und kreative Lösungen für unsere Herausforderungen zu finden, mag ich mir nicht auszumalen was es für mögliche Szenarien geben könnte und ich tue es  auch nicht. Aber ich weiß aus den Tiefen meiner Seele, dass es darum geht das ängstliche, kleine Ich abzulegen und Dinge abseits des Gewohnten erst zu denken und dann zu tun. Es ist mir völlig egal, ob jemand zur Tantra-Massage kommt um an seine Lebendigkeit anzuknüpfen oder ob er Bücher liest und das Wissen darin umsetzt, oder meditiert oder sich die Hilfe eines Psychologen oder Coaches holt.

Ich weiß nur ganz genau, dass die Zeit der netten Dinner-Konversationen über Veränderungen in der Welt vorbei ist und es jetzt darum geht ein, selber ein lebendiger Ausdruck der schönen Theorien zu werden und einen unverwechselbaren Abdruck in dieser Welt zu hinterlassen.

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2 Kommentare zu Leidenschaft

  1. Liebe Clea,

    wie schön Du schreibst1

    Gleich denke ich, wie schade es ist deine Hebammenkunst nicht mehr an meiner Seite zu haben.
    Aber ja vor 10 Jahren bei der Geburt menies Sohnes war es auch unbezahlbar

    Eine orgiastische Geburt… vielleicht ein Grund für ein drittes Kind ; )

    Herzensgrüße

    1. Liebe Erika,

      vielen lieben Dank! Leider habe ich momentan viel um die Ohren, so dass ich Deine Anfrage ob ich in der Gegend sei (war ich nicht, noch in Urlaub) und dies hier erst ganz spät gesehen habe. Ich sende Euch ganz liebe Grüße und erinnere mich immer gern an Euch zurück. Hier ist meine Handy Nummer, dann sind wir spontaner in Kontakt: 0151-70017434.

      Wie geht es Euch?

      Herzliche Grüße

      Clea

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