Intensivere Orgasmen und schöneren Sex durch Yoga

Young woman doing upward-facing dog poseAls Hebamme habe ich mich intensiv für den Beckenboden interessiert. Als Mutter zweier Kinder für meinen eigenen und den der Frauen, die ich betreut habe. Immer stand die Frage im Raum: Was passiert mit meinem Beckenboden, wenn ich mein Kind auf natürlichem Wege gebäre? Bin ich danach „zu weit“? Wie kann ich dafür sorgen, die gedehnte Muskulatur wieder in Schwung zu bringen? 

Ich empfahl Beckenboden-Übungen, Vaginal-Kugeln für das innere Training und die passende Haltung einzunehmen beim Tragen schwerer Gegenstände oder der Kinder. Nichts davon war verkehrt, aber der Erfolg war immer eher mäßig. Vor allem dann, wenn eine genetische Disposition vorhanden war. 

Da ich selbst von einer leichten Beckenboden-Schwäche betroffen war, lag mir das Thema sehr am Herzen. Ich recherchierte und las Bücher und mein Beckenboden wurde mir immer vertrauter. ich wandte mich diversen Beckenboden-Übungen zu und fand sie eigentlich immer sehr anstrengend und im Ganzen wenig effektiv. Man musste viel Zeit und viel Konzentration aufbringen um sie zu machen und dies sehr regelmäßig tun… Der innere Schweinehund war zu groß – Ich fand mich mit meiner Beckenboden-Schwäche irgendwann ab und lernte, damit zu leben. 

Dann entdeckte ich Yoga für mich. Anfangs sehr sparsam, bemerkte ich im Laufe der Zeit eine deutliche Stärkung meiner Muskulatur überall im Körper. Und erstaunlicherweise auch der des Beckenbodens. Der Effekt auf den gesamten Organismus machte aus den anfänglichen Pflichtübungen einen immer wertvolleren Wegbegleiter. Neben der körperlichen Stärkung wurde mein Geist dabei ruhig, Schulter- und Rückenschmerzen begannen nachzulassen und meine Haltung verbesserte sich deutlich. Nach wenigen Monaten war mein Beckenboden so kräftig, wie ich ihn nur vor der Geburt meiner Kinder gekannt hatte. Die Orgasmen wurden gleichzeitig intensiver und der Sex noch lustvoller. Ich spürte mehr und konnte meine Muskeln unten deutlicher wahrnehmen und besser einsetzen. 

Aber warum war Yoga so viel effektiver als alles, was ich vorher gemacht hatte? Es war der ganzheitliche Ansatz, der völlig anders war als bei allen anderen Maßnahmen. Viele Beckenboden-Bücher konzentrieren sich auf Bereich des Beckens. Sie betrachten den Beckenboden zu isoliert, so als wäre nicht der ganze Körper ein zusammenhängendes System. Dies hat den Effekt, dass man zwar den Beckenboden trainiert, aber nicht den Rest des Körpers. Es fehlt der systematische Ansatz. Beim Yoga wird dagegen der ganze Körper bewegt, alle Muskelgruppen kommen zum Einsatz. Der Rücken wird gestärkt und die Haltung verbessert sich, dadurch wird der Druck auf den Beckenboden geringer und er ist weniger belastet im Alltag. Bei allen Übungen wird das Muladhara-Chakra – der Beckenboden – und das Nabel-Chakra mit angespannt. Dies führt dazu, dass diese Region wesentlich präsenter wird im Körperbewusstsein. Und ohne besondere Aufmerksamkeit einfach immer mit trainiert wird. 

Ein weiterer Effekt ist, dass man lernt, tiefer und besser zu atmen. Auch das hat einen sehr positive Wirkung in der Sexualität, denn man lernt automatisch, mit der zunehmenden Energie die sich aufbaut nicht die Luft anzuhalten, sondern alles mehr Fließen zu lassen. Durch eine bessere Atmung intensiviert sich wiederum das Empfinden und die Gefühle beim Sex. 

Ganz wichtig ist beim Yoga, einen entspannten Ansatz zu haben. Es geht nicht darum ein Ziel zu erreichen, sondern genau auf seinen Körper und dessen Grenzen zu hören. Anfangs konnte ich zum Beispiel bestimmte Dehnübungen gar nicht machen. Mit den Händen bei der Vorbeuge auf den Boden zu kommen, war für mich reine Utopie. Andere Übungen wandelte ich ab, weil ich sonst den Nacken verspannte und Schmerzen statt Erleichterung verspürte hinterher. Ich verstand allmählich, dass es wesentlich sinnvoller ist, Dinge einfach wegzulassen, statt sich übermäßig anzustrengen. Jegliche Form von Ehrgeiz ist beim Yoga fehl am Platz. Auch das war ein Lernprozess. Umso schöner war es zu sehen, dass ich nach wenigen Monaten mühelos mit den Händen den Boden erreichte, dass meine Bauchmuskeln wieder spürbar wurden, dass meine Haltung sich straffte, aufrechter wurde und dass viele Zipperlein verschwanden. 

Yoga ist für mich zu einem regelmäßigen Begleiter geworden, so natürlich wie das Zähneputzen. Und ich weiß, dass ich mich mithilfe von Yoga immer jünger, statt älter fühlen werde, das ist jetzt schon deutlich zu spüren. 

Um Yoga zu erlernen ist es wichtig, einen guten Lehrer zu finden, der diesen langsamen Ansatz unterstützt. Ansonsten kann Yoga zu Verletzungen und Schmerzen führen. Yoga ist nicht gleichbedeutend mit Fitness-Training. Es geht in erster Linie darum, die bewusste Wahrnehmung des Körpers zu schulen und die Einheit von Körper, Geist und Seele über die Übungen erfahrbar zu machen. 

 

Clea Nuss-Troles

 

 

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