Instinkt

Kommentar zum Feature "Instinkt - Ein untrügliches Gefühl?" auf WDR 5

Kommentar zum Feature „Instinkt – Ein untrügliches Gefühl?“ auf WDR 5

Neulich hörte ich im Radio einen Beitrag. Es ging um die Frage: Was versteht man unter Instinkt? Gibt es ihn beim Menschen und wenn ja, was genau bedeutet er? Es wurden Beispiele angeführt, in denen Menschen das Gefühl hatten aus einem nicht erklärbaren Wissen zu schöpfen und aus unerklärlichen Gründen Entscheidungen zu treffen, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Außerdem wurde der Psychologe Bernd Heinermann interviewed, der die neuesten Erkenntnisse der Psychologie zusammenfasste. Der Beitrag interessierte mich und so hörte ich aufmerksam zu. 

Einigkeit bestand darüber, dass der Begriff „Instinkt“ so stark in die Alltagssprache eingeflossen ist, dass er viel zu weitläufig benutzt wird. So ist vom „Macht-Instinkt“ bei Politikern die Rede oder vom „Tor-Instinkt“ beim Fußball. Das konnte ich nachvollziehen. Weniger nachvollziehen konnte ich die Erklärung des Psychologen, dass der Begriff „Instinkt“ in der Psychologie seit langem überholt sei und man inzwischen davon spreche, dass der Mensch im Laufe seines Lebens ein unbewusstes Erfahrungswissen ansammele, aus dem heraus er scheinbar unerklärlichen Bauchentscheidungen treffen würde. Auch sei der sogenannte Mutterinstinkt nur bei Tieren und nicht beim Menschen vorhanden. An dieser Stelle stutzte ich und hatte intuitiv das Gefühl: Hier stimmt was nicht. Ich habe als Hebamme hunderte von Müttern und Vätern begleitet und dabei immer wieder festgestellt: Sie haben ein untrügliches Gespür dafür was ihr Baby wann braucht, wie sie es halten sollen, was sie mit ihm machen müssen… Und zwar vom ersten Augenblick der Geburt an und vielfach sicherlich schon in der Schwangerschaft. So nimmt jede Mutter automatisch ihr Kind an die die Wärme ihrer Brust, liebkost es, schaut es an, riecht daran. Alles Dinge, die man nach jeder Geburt in den ersten Minuten beobachten kann und dem gemeinhin kein vorheriges Erfahrungswissen seitens der Eltern zugrunde gelegt werden kann. Zumindest nicht beim ersten Kind. Allerdings ist dieses Wissen manchmal verstellt durch zu viele Informationen, mit denen der Kopf gefüttert worden ist. Ermutigt man Eltern dagegen, auf ihr inneres Gefühl zu hören und nicht ihren Kopf zu befragen, wissen sie sofort was damit gemeint ist und tun das Richtige. 

Ich fand den Beitrag spannend genug um mich zu fragen: Was verstehe ich unter dem Begriff „Instinkt“ und wo würde ich die Abgrenzung zur Intuition ziehen? Ohne es weiter recherchiert zu haben würde ich Instinkte immer im Zusammenhang mit der unmittelbaren Arterhaltung und dem damit verbundenen Selbsterhaltungstrieb in Verbindung bringen. Unser Instinkt sagt uns, wie wir unseren Nachwuchs am besten hegen und pflegen und auch wie wir uns verhalten, wenn wir uns in unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben befinden. Würde ich Instinkt bestimmten Energiezentren im Körper zuordnen wollen, so wären es sicherlich die beiden unteren Chakren im Bereich des Beckenbodens und unterhalb des Nabels. Dort wo östliche Philosophien die unter anderem die Selbsterhaltung, materielle Sicherheit und den Sexualtrieb ansiedeln. 

Intuition dagegen geht für mich einen Schritt weiter. Sie ist der Teil von mir zu dem ich Zugang habe wenn ich in die Stille gehe, sei es in der Meditation oder wenn ich mich in der Natur aufhalte und aufmerksam nach Innen lausche. Hier gibt es so etwas wie ein verborgenes Wissen auf das ich zurück greifen kann, völlig unabhängig davon, in welcher Kultur ich groß geworden bin. Dieses Wissen ist nicht erklärbar und auch nicht immer auf Knopfdruck vorhanden. Vor allem nicht in unserer Kultur, in der der Verstand zuweilen überbewertet wird. Doch jeder Mensch hat potentiellen Zugang dazu. Am Anfang mag sich das noch so anfühlen als würde man versuchen, ein Kamel durch ein Nadelöhr zu treiben. Vor allem dann, wenn das Geplapper im Kopf kein Ende nehmen will. Doch je mehr es geübt wird, desto breiter wird dieser Pfad und desto tiefer fühlen wir uns in uns selber verwurzelt. Haben Zugang zu dem, was der Psychologe Carl Gustav Jung als „Selbst“ bezeichnet hat. Den Teil von uns, der uns in unserem Inneren ausmacht. Bis heute ist Jung der einzige Psychologe der anerkannt hat, dass der Mensch neben seiner Ratio auch ein spirituelles Wesen ist und auf eine innere Führung vertrauen kann.

Für mich persönlich ist eine Psychologie die dies negiert nicht stimmig. Denn sie versucht weg zu rationalisieren, dass wir mehrdimensionale Wesen sind und dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als wir uns erklären können. Letztendlich reduziert sie uns auf etwas, was kleiner ist als die Summe aller Teile. 

Der Beitrag wurde auf WDR 5 unter „Neugier genügt“ am 4.11.2015 ausgestrahlt und kann in der dortigen  Mediathek nachgehört werden. Die Autorin ist Maike Mackerodt.

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