Frauen und Ihre Beziehung zur Brust

Frauen und Ihre Beziehung zur Brust

Frauen und Ihre Beziehung zur Brust

Als junges Mädchen, so zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr, las ich die Bravo und allerhand Frauenzeitschriften die mir in die Hände fielen. Ich weiß nicht mehr wo, aber in irgend einem Medium wurde die Frage diskutiert, ab wann ein Hängebusen ein Hängebusen sei. Angeführt wurde der Bleistift-Test:

Wenn man einen Bleistift unter die Brust legt und er fällt nicht herunter (im Stehen wohlgemerkt), so kann man davon ausgehen, dass man eine Hängebrust habe. Ich schritt selbstverständlich sofort zur Tat und wurde mir angesichts des Ausganges meines Experimentes sehr schnell bewußt:

Ich war noch keine 20 und hatte einen Hängebusen! Diese Tatsache fand ich schockierend genug, doch gleich darauf traten mir noch mher Aussprüche in den Sinn:  Dass ein hängender Busen häufig nach dem Stillen auftritt – und ich fragte mich bang, wie denn meiner danach aussehen würde wenn er jetzt schon eindeutig vertikale Tendenzen zeigte. Ich versuchte, den gelesenen Artikel mehr oder weniger erfolgreich aus meinem Kopf zu verbannen, doch bei jedem Model mit perfektem Busen zog ich im Stillen Vergleiche zu meinem Oberkörper. An sich hatte ich meine Brust vor diesem verdammten Test gemocht – jetzt war ich mir da nicht mehr so sicher.

Im Laufe der kommenden Jahre stellte ich fest, dass alle Männer, mit denen ich zusammen kam, meine Brust überhaupt nicht merkwürdig fanden. Den meisten gefiel, dass sie sich gut in die Hand nehmen ließ, und weder zu groß noch zu klein war. Und das auch, nachdem ich zwei Kinder damit gestillt hatte.

Jedes Mal, wenn ich das hörte, passierten zwei Dinge in mir: Ich war unglaublich erleichtert, dass Männer eine weibliche Brust scheinbar nicht nach „Bleistift fällt oder nicht“ beurteilten – und ich schwor mir, meine Brust nie wieder ob ihrer Attraktivität in Frage zu stellen. Sowohl während meiner Arbeit als Hebamme wie auch als Tantramasseurin ist mir sehr klar geworden:

Wir Frauen messen unser Aussehen wesentlich mehr als Männer an den bestehenden Glamour-Schönheiten, die uns überall präsentiert werden – und zwar leider auch dann, wenn wir glauben, uns würde das sicherlich nicht passieren und wir wären frei davon. Dies gipfelt darin, dass es immer moderner wird, seine Brust operativ verändern zu lassen. Was bei uns nur eine bislang sehr moderate Entwicklung ist, wird in Brasilien oder Amerika schon als Geburtstagsgeschenk angepriesen.

Alle Männer, mit denen ich über eine Silikonbrust gesprochen habe, fanden diese in keinster Weise schön – weder zum Ansehen, noch zum Anfassen. Die Kommentare reichten von „aufgeblasener Ballon“ bis „Tennisball-Gefühl“. Welchem Unsinn sitzen wir als weibliches Geschlecht also auf? Gesellschaftliche Entwicklungen kann man immer nur als Individuum beeinflussen – und jeder Mann, der die nächste Brust die er in den Händen hält auch verbal verehrt, kann ein kleines Scherflein dazu beitragen. In diesem Sinne…

Clea

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