Erektion – Wie und wann Mann „kann“

Impotence concept. Woman is waiting in bed on her lover who is looking on his penis after viagra and shows thumb up that he is ready for sex.Es ist ein Tabu – über das „Nicht-Können“ im Bett zu sprechen. Eine wissenschaftliche Befragung von 8000 Kölner Männern im Jahr 2000 ergab: Zwischen dem 30. und 80. Lebensjahr leiden etwa 19% der Männer unter Erektionsstörungen – die Tendenz ist steigend. 

Der Kölner Erfassungsbogen für erektile Dysfunktion  aus dem Jahr 2000 fördert zutage, was gerne unter das Siegel der Verschwiegenheit fällt. 8000 Männer wurden damals zu ihrer Erektionsfähigkeit befragt und mehr als die Hälfte der Fragebögen konnte ausgewertet werden. Es zeigt sich: Männer neigen mit zunehmendem Alter zu Erektionsstörungen. Während in einem Alter von 30 Jahren nur etwa 2% betroffen sind, sind es im Alter von 80 über 54%. Was steckt hinter diesem Phänomen? Ist es wirklich nur eine Frage des Alters und ein Zustand, den es einfach hinzunehmen gilt? 

Gesunder Lebensstil hilft

Viele Erektionsstörungen haben ihre Ursache in körperlichen Erkrankungen. Entweder, weil die Krankheit an sich eine gesunde Erektionsfähigkeit beeinträchtigt, oder weil die Erektionsstörung  eine Nebenwirkung der Medikamente ist, die eingenommen werden. Zu den relevantesten Erkrankungen zählen dabei u.a. Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Psychische Probleme sowie Erkrankungen des kleinen Beckens (Blase und Prostata)  und Krebs. Dabei fällt auf, dass es sich ausnahmslos um  Zivilisationskrankheiten handelt, deren Hauptverursachungsfaktor wiederum Stress ist. Da sich der Altersdurchschnitt insgesamt immer weiter erhöht, rechnet man bis zum Jahr 2035 mit mehr als 5,6 Millionen Männern, die an Erektionsstörungen erkranken werden, von denen sich wiederum ein Bruchteil deswegen behandeln lässt.

Unzufrieden mit dem Sexual-Leben

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass je nach Altersgruppe zwischen 31,5% und 44% der Männer unzufrieden waren mit ihrem derzeitigen Sexualleben. Das ist eine signifikant hohe Zahl die zu denken geben sollte. Da die Ursachen für die Unzufriedenheit in dieser Studie nicht abgefragt wurden, können hier nur Vermutungen geäußert werden die zu dem passen, was wir aus den Gesprächen und Beratungen aus unserer Praxis erfahren.  Dazu zählen, dass die Sexualität im Laufe der Jahre in einer Partnerschaft abnimmt oder als nicht mehr so befriedigend empfunden wird, weil sich Routine eingestellt hat. Nicht selten kommt es vor, dass Frauen das intime Zusammensein ablehnen, ohne genaue Gründe dafür anzugeben. Das Reden über unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse stellt sich als unbefriedigend heraus und das Thema wird irgendwann resigniert abgehakt, wenn der Rest der Partnerschaft in Ordnung scheint. 

„Was Mann“ wissen sollte

Erektionsstörungen sind kein Schicksal, das man einfach auf sich zukommen lassen sollte nach dem Motto: Es trifft mich oder es trifft mich nicht. Seinen Lebensstil kann jeder beeinflussen und damit auch die Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter Erkrankungen auszubilden. Stress kann man reduzieren indem man sich klar macht, wofür man eigentlich den ganzen Tag über unter Strom steht und ob es das Leben lebenswert macht. Meditationstechniken helfen, resistenter gegen Stressfaktoren zu werden und sich selbst besser kennen zu lernen. Etwas Bewegung täglich versorgt nicht nur den Körper mit mehr Sauerstoff, sondern setzt auch Glückshormone im Körper frei, die sowohl die eigenen Ausstrahlung wie auch die Gemütsverfassung beeinflussen. Auf körperlicher Ebene kann man also eine Menge tun, um gesund zu altern. 

Reden hilft selten – man muss wissen, was man tut

Ist das Sexualleben in der Partnerschaft nicht mehr befriedigend hilft es selten, nur zu reden. Denn die Ursachen sind meist nicht intellektuell zu erfassen, sondern bewegen sich weit in der Tiefe unserer Psyche. Doch was sicherlich gut ist, ist mal für Beide  zu hinterfragen, wie befriedigend die Sexualität früher empfunden wurde. Ob es vielleicht Sehnsüchte gibt, die noch schlummern und nie erfüllt wurden. Ob die Art, wie Sex stattgefunden hat, von der Qualität wirklich als schön empfunden wurde. Was für Phantasien es möglicherweise gibt, die noch darauf warten erkundet zu werden.

Hier ist die schonungslose Wahrheit, an die man sich herantastet vielleicht manchmal nicht angenehm, aber sicherlich besser als ein schleichender Lust-Tod auf Raten. Was Männer in diesem Zusammenhang wissen sollten: Frauen sind in ihrem Erleben sehr komplex und fühlen Sexualität mit einer Öffnung des Herzens. Kann diese nicht stattfinden, weil man sich nicht als Frau gesehen und wertgeschätzt fühlt im Alltag, kann dies tatsächlich ein unbewusster Faktor sein der dazu führt, dass man sich sexuell verweigert. Sexuelle Routine ist für eine Frau genauso abtörnend. Wenn sie bei Schritt a) schon weiß, wie die nächsten fünf Komponenten aussehen werden, kann sie sich nicht fallen lassen sondern ist mit ihrem Kopf weiter voll dabei. Die Folge: Der Sex ist nicht befriedigend, selbst wenn es zum Orgasmus kommen sollte. Und Sex zu haben und sich dabei leer, weil nicht gesehen zu fühlen, ist für eine Frau schlimmer als gar keinen zu haben. Liegen die Gründe für eine nicht lustvoll ausgelebte Sexualität in der eigenen Lebensgeschichte und ihren Prägungen, können Tantramassagen ein wunderbarer Weg sein sich neu zu erleben und kennen zu lernen, für beide Geschlechter.

Die Kraft des Mannes

So wie eine wirklich lustvolle Frau ein Geschenk für einen Mann ist, ist ein Mann in seiner Kraft ein Geschenk für eine Frau. Dazu zählt nicht in allererster Linie ein harter Schwanz, sondern die Fähigkeit, eine Frau gerne zu verwöhnen, ihre Weiblichkeit zu verehren  und mit seiner Präsenz und seinem Herzen anwesend zu sein, wenn es um die körperliche Liebe geht. Ein Mann in seiner Kraft ist sich seiner Männlichkeit bewusst, ohne ein Macho zu sein. Er hat Zugang zu seinen Gefühlen ohne in Sentimentalitäten abzugleiten. Er tut etwas dafür, sich zu zentrieren und in seiner Mitte zu sein und übernimmt Verantwortung für sein inneres Gleichgewicht. Er tut etwas für seinen Körper und benutzt ihn nicht als Maschine, die zu funktionieren hat. Er kümmert sich auch um sein Äußeres und pflegt seinen Körper, ohne dabei in eine überhöhte Eitelkeit abzugleiten. Ein Mann in seiner Kraft sehnt sich nicht mehr nur nach dem mütterlichen Schoß und Wohlbehagen, sondern kann seine eigene feminine Seite gut selber nähren ohne seine maskulinen Anteile zu verleugnen. Ein Mann in seiner Kraft sucht den Austausch mit anderen Männern und holt sich über den ehrlichen Austausch dort Unterstützung und Inspiration. Ein Mann in seiner Kraft hat dieses gewisse Leuchten in den Augen, welches ihn für das weibliche Geschlecht unwiderstehlich macht. Dazu zählt nicht zuletzt auch die spirituelle Entwicklung und das Gefühl, einfach glücklich zu sein. Ein Mann in seiner Kraft wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hin und wieder Erektionsschwierigkeiten haben – aber sie sind ihm nicht mehr wichtig, denn seine männliche Ruhe und Präsenz erfüllen seine Partnerin mehr, als es ein schwellendes Organ alleine könnte. Aber er hat die Fähigkeit, seine Ejakulation zu kontrollieren und sich von den Wellen der Sexualität tragen zu lassen, statt mit ihnen unter zu gehen.

Mythen und Sex

Ganz sicher ist es gut, sich von vielen Mythen zu verabschieden die den Sex umgeben. Dazu zählen unter anderem:

Nur Sex mit Orgasmus ist schön. 

Als Mann muss ich immer erst die Frau verwöhnen und bin dann ein guter Liebhaber, wenn ich sie zum Orgasmus bringe.

Die Klitoris ist der Gipfel, den es zu erstürmen gilt. 

Die Penetration ist ein Akt des Wohlgefallens der Frau dem Mann gegenüber.

Die Wechseljahre sind Schuld, wenn es keinen Sex mehr gibt.

Ein gepflegter Mann törnt eine Frau ab.

Erektionsschwierigkeiten sind ein notwendiges Übel im Alter.

Meine Frau hat mir noch nie einen Orgasmus vorgespielt.

Frauen mögen keine Quickies.

Es muss immer romantisch sein.

Meine Frau wird schon sagen, wenn ihr etwas nicht gefällt (Irrtum, sie weiß es oft selbst nicht so genau, was ihr dann fehlt).

Ein Mann kann immer und will nur das Eine.

Im Alter braucht man keinen Sex.

Sex kann man – weil man mit den passenden Organen ausgestattet ist.

… Die Liste liesse sich endlos fortsetzen.

 

Die Sehnsucht in uns

Sex ist ein Grundbedürfnis welches sich nicht mit steigenden Lebensjahren einfach abstellen lässt. Die Wünsche und die Ansprüche verändern sich aber sehr wohl. Die Qualität der Berührung zusammen mit der Fähigkeit, Intimität aufzubauen ist oft die entscheidende Komponente, die aus einer einfachen Streicheleinheit eine Oase der großen Wonne macht, unter der man einfach dahin schmelzen möchte. Dieses Bedürfnis nach Nähe und Intimität und deren Ausleben in der Sexualität – es gibt wenige Menschen die sagen würden: Das ist nix für mich! Aber man muss viel wissen, um die sexuellen Kräfte zu verstehen und sie lenken zu können. Wissen, wie sich männliche und weibliche Essenz in ihr gegenseitig befruchten kann. Eine wirklich tief innerlich befriedigende Sexualität ist ein nicht enden wollender Lernprozess, auf den man sich einlassen muss und für den man bereit sein muss. Dann kann Sex das sein, was einen minutenlang Erbeben und mit einem „Oh Gott“ verzückt nach hinten sinken lässt.

Bis zum letzten Atemzug.

 

Clea Nuss-Troles

PS: In unserem Shop findet sich viel gute Literatur dazu und unser Berührungscoaching hat schon vielen Paaren geholfen, einen neuen Zugang zueinander zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu Erektion – Wie und wann Mann „kann“

  1. Sehr interessanter Artikel! Besonders der Paragraph „Die Kraft des Mannes gefällt mir. Bei dem Mythen um Sex kommt auch schön zum Vorschein, dass viele Männer sich selbst zu viel Druck beim Sex machen und eine gewisse „Leistung“ abrufen wollen, die meist gar nicht von ihnen erwartet wird. Auch dieser Leistungsdruck kann meiner Meinung nach zu Erektionsproblemen führen!

    Würdet ihr mir sagen, wie die anfänglich erwähnte Studie heißt, bzw. wo sie zu finden ist?

    Danke für diesen schönen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Chris

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