Ein Raum für Frauen

Woman at Rasul bath in wellness spaDass Frauen „Ihren“ Raum brauchen weiß jede Frau, die tief in sich hinein horcht. In vielen Kulturen wird diesem Wissen nachgekommen, indem es rituelle Begegnungsräume gibt. Aufgefallen ist mir dies besonders, als ich mit einer Freundin in einem Düsseldorfer Hamam war. Es war Frauentag. Im Ruheraum waren mehrere Frauen versammelt. Eine ältere Frau, zwei mittleren Alters und ein jugendliches Mädchen. Die Konversation zwischen allen floss einvernehmlich hin und her. Mal auf türkisch, dann wieder auf deutsch. Nach einigem Zuhören stellte sich heraus: Die Großmutter war Türkin, auf Besuch in Deutschland und sprach nur türkisch. Eine der älteren Frauen schien ihre Tochter zu sein und die andere ihre deutsche Schwiegertochter, die fließend türkisch sprach. Das Mädchen, es mochte so um die 14, 15 Jahre alt sein, switchte auch zwischen beiden Sprachen locker hin und her. Das Bild, was die vier Frauen vermittelten, war ein ganz einträchtiges, sehr harmonisches. Hier war nichts davon zu spüren, dass es kulturelle Verschiedenheiten gab. Oder sie spielten einfach keine Rolle. Die vier Frauen hatten Obst dabei, welches sie uns freundlich anboten und man sprach über … Frauenthemen. Nach und nach stellte sich bei mir ein wenig das Gefühl ein, dass wir hier fast so etwas wie ein konspiratives Zusammentreffen hatten. So aufgeladen war die ganze Atmosphäre mit rein weiblicher Energie. Der Nachmittag fand ein sehr schönes Ende durch die Massage, die wir zum Abschluss durch Frauenhände genossen. 

Diese Berührung war es, die so wohl tat. Die Massage war sehr gut, aufmerksam und liebevoll und mehrfach wurden wir gefragt, ob auch alles gut sei. Diese Fürsorge zu spüren, die etwas mütterliches hatte, nährte die Seele. 

Und das war die Quintessenz dieses wundervollen Tages: Wir brauchen mehr davon. Mehr davon, uns gegenseitig schwesterlich und mütterlich zu umsorgen, über die Generationen hinweg. Nicht nur in Form von Gesprächen oder Modeberatung beim Einkaufen, sondern ganz nah, von Hand zu Hand und von Haut zu Haut. Das macht uns stark. Lässt uns Rivalitäten und Eifersüchteleien vergessen und verbindet uns mit dem, was uns ausmacht, unserem Ur-weiblichen Kern. Wenn wir uns so gegenseitig nähren, können wir wir wieder hinaus in die Welt gehen und sagenhafte Mütter, brillante Karrierefrauen und hingebungsvolle Liebhaberinnen sein. Denn dann sind wir satt!

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