Die größten Missverständnisse zwischen Männern und Frauen

Beziehungsprobleme

Frauen kommen bekanntlich von der Venus und Männer vom Mars. Manchmal wundere ich mich, dass wir zwei Geschlechter überhaupt so gut miteinander auskommen. Im Großen und Ganzen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ein Dolmetscher für die unterschiedliche Sprache zwischen uns sehr sinnvoll wäre. So zum Beispiel im Bett – oder wo immer man der schönsten Sache der Welt frönen möchte.

Dass Paare mit der Zeit ihre gemeinsame Sexualität aus den Augen verlieren – genau die, die am Anfang der Beziehung eine so wichtige Rolle gespielt hat, hat sicherlich viele und unterschiedliche Gründe. Ein ganz wichtiger könnte darin liegen, dass man sich permanent missversteht und gar nicht so genau weiß warum. Weil man nicht gelernt hat, darüber zu kommunizieren.

Am Anfang brennt die Leidenschaft und man hat Spaß miteinander. Mehr oder weniger zumindest. Alles ist neu und man entdeckt wie man sexuell zueinander passt. Man probiert vielleicht das ein oder andere aus und stellt schnell fest, was der andere mag oder nicht. Dies geschieht oft ohne Worte. Mit der Zeit glaubt man,  den anderen zu kennen und beginnt die Dinge, die funktionieren, immer wieder zu machen. Was am Anfang aufregend ist, beginnt nach kurzer Zeit Routine zu werden. Und Routine ist tödlich für eine erfüllte und erlebens-werte Sexualität.

Was also tun?

Aus meiner Beobachtung heraus würde ich sagen, dass wir Frauen für die Männer oft ein Buch mit sieben Siegeln sind.  Vor allem und besonders in der Sexualität. Wenn sie dann die ein oder zwei oder drei Sachen gefunden haben die uns zu gefallen scheinen, sind sie heilfroh. Und wenden sie eifrig an. Immer und immer und immer wieder. Was uns am Anfang geil gemacht hat, stumpft sich ab. Denn wir wissen: nach A kommt B und dann C. Im Schlafzimmer kehrt nach kurzer Zeit das Gähnen ein und statt darüber zu sprechen flüchten wir uns in Migräne, Haushalt oder Kinder und machen dicht. Unten rum. Was uns dabei nicht klar wird: Wir schneiden uns selber einen wichtigen Weg, um uns lebendig zu fühlen, ab. Vielleicht weil wir gar nicht so genau wissen, wie wir es ansprechen sollen. Oder weil wir nicht genau wissen, wie es besser gehen könnte. Oder weil es uns peinlich ist, andere Wünsche zu äußern die vielleicht etwas weniger „rein“ sind. Weil wir den anderen nicht verletzen wollen. Oder weil der Sex von Anfang an nur mässig war und wir meinen uns damit abfinden zu müssen. Oder weil wir ständig mit der Organisation unseres Familienlebens beschäftigt sind und uns der Raum für Partnerschaft an allen Ecken und Enden fehlt. Oder weil uns der sportliche Nachbar körperlich weit mehr anzieht und das ersehnte Kribbeln im Bauch hervorruft.

Der Prozentsatz an Frauen, die die Lust an der körperlichen Zweisamkeit mit der Geburt der Kinder ablegen, scheint immens hoch zu sein. Hängende Mundwinkel und steile Falten zwischen den Augenbrauen sind irgendwann die Folge.

Was wünschen wir Frauen uns also von den Männern? Ich kann für mich sprechen: Ich möchte entdeckt werden, jedes Mal neu. Denn ich bin eine Frau und lebe zyklisch. Mehr als ein Mann. Ich bin nicht jeden Tag gleich. Was mir gestern gefallen hat tut mir heute vielleicht weh. Was ich gestern gar nicht gemocht habe, ist heute vielleicht der Knaller. Ich möchte es variantenreich. Nicht immer im Bett. An den unterschiedlichsten Orten. Gerne auch verboten. Ich möchte mal einfach auf der Treppe von hinten genommen werden. Ohne Vorspiel. Einfach so. An einem anderen Tag wünsche ich mir die zärtliche Verführung, den Kerzenschein und das Glas Sekt. Ich möchte überrascht werden. In meiner Vielfältigkeit erkannt werden. Ich wünsche mir Erotik auf vielfältigen Ebenen. Sie kann darin bestehen, gemeinsam schöne Dessous auszusuchen. Oder einen Sexshop zu besuchen. Eine Tantramassage zu genießen. Aber vor allem: es soll um MICH gehen. Sexualität ist schön, wenn sie vielschichtig ist – und aufmerksam. Wenn in der körperlichen Begegnung die Nähe spürbar wird. Wenn ein Einlassen da ist. DANN fühle ich mich gesehen. Ob beim Quickie oder beim Kuschelsex. Wenn kein Einlassen da ist, fühle ich mich benutzt. Bin dazu da, dem Mann zu gefallen. Mit meinen Reaktionen sein Ego zu befriedigen. Uaaah, wie langweilig. Unter Männern, die nicht bereit sind sich einzulassen weil sie es nie gelernt haben, leiden wir Frauen glaube ich am meisten.

Doch was braucht Mann, um mich zu sehen und in mir lesen zu können? Ich muss meine Stummheit aufgeben, zeigen was mir gefällt. Muss lernen, den Mund aufzumachen und meinen Körper durch Atmen, Stöhnen und Bewegen lesbar zu machen. Bereit zu sein zu experimentieren. Meine Phantasien preisgeben. Das Wagnis eingehen, verletzbar zu werden und die Wahrheit zu sprechen. Meine Wahrheit. Beginnen zu sagen, was mir gefällt. Und was mir nicht gefällt. Zugeben, dass ich gar nicht genau weiß was ich mag aber bereit bin, es heraus zu finden. Ich muss lernen mich so sehr zu lieben, dass ich bereit bin den unbequemen Weg der Konfrontation zu gehen, damit es zu einem wirklichen Miteinander kommen kann. Es gibt genügend Männer die Lust haben, Frauen wirklich zu entdecken und ihnen Gutes zu tun. Aber Stummfischen kann nicht geholfen werden.

Was ich erlebe in meiner Arbeit:

Das Mass an Missverständnissen über weibliche und männliche Sexualität ist riesig. Unsere unbewussten Urteile darüber, was Mann und Frau sexuell wünschen, prägen uns weit mehr als wir glauben. Mehr als einmal habe ich von einer neuen Tantramasseurin gehört: „Meine Arbeit verändert mein Männerbild total. Ich habe nicht gewusst, dass Männer so sensibel und feinfühlig und nett sind.“ Das liegt nicht daran, dass die Männer die zu uns kommen so ganz anders sind als die da Draußen. Das liegt daran, dass hier ein Raum geschaffen wird, wo es um Spüren und Sinnlichkeit geht statt um Leistung und Ziel!

Männer wiederum wollen in ihrer Männlichkeit gesehen werden. Sie wollen, dass wir IHN in den Mund und in die Hand nehmen und verehren. Sie wünschen sich vielleicht auch etwas mehr Experimente, das Entdecken verbotener Zonen und unsere Initiative statt immer selber machen zu müssen. Sie haben vielleicht auch Phantasien, über die sie nie gesprochen haben weil sie glauben, dass sie sie uns niemals anvertrauen können. Sie glauben vielleicht, dass sie nicht zugeben dürfen dass die Kollegin sie heiß macht, weil es uns verletzen könnte. Sie möchten vielleicht auch mal an irgendeinem verbotenen Ort von uns verführt und verwöhnt werden.

Sie wünschen sich sicherlich, dass wir Frauen in unserer Sexualität so selbstständig werden und Lust mit uns selber haben, dass wir den Zauber wirklicher weiblicher Kraft wieder in die Welt bringen statt uns wie männliche Duplikate zu verhalten.

Clea Nuss-Troles

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