Verkehrte Welt

Verkehrte Welt - Geld für Liebe und die gesellschaftliche Ächtung der Sexualität

Verkehrte Welt – Geld für Liebe und die gesellschaftliche Ächtung der Sexualität

Eigentlich wäre alles ganz einfach, so denke ich manchmal und bin dabei wahrscheinlich ein wenig naiv. Es geht dabei um unsere Einstellung zur Sexualität, die zugegebenermassen eher schizophren als entspannt ist, zumindest gesellschaftlich betrachtet.

Dabei gibt es Dinge, über die sind sich (fast) alle einig: Hätten unsere Eltern keinen Sex gehabt, wären wir nicht auf der Welt. In der Regel also etwas, wofür wir dankbar sein können. Wenn wir selber Sex haben, so sollte er schön und erfüllend sein und unser Leben bereichern und mit einem Partner stattfinden dem wir zugetan sind oder den wir lieben. Wäre das so, hätten die Meisten sicherlich gerne Sex und das ausreichend häufig. Weiterhin herrscht Einigkeit darüber, dass der Sexualtrieb einer unserer stärksten Triebe ist und die Fortpflanzung unserer Spezies sichert, sich aber außerhalb des körperlichen Ausdruckes auch in der bildenden Kunst, der Musik oder anderen Formen der Kreativität ausdrücken kann, man denke nur an unzählige Liebesromane- und Gedichte.

EIGENTLICH müsste diese sexuelle Triebkraft verehrt werden als Pulsschlag des Lebens, die nicht nur Menschen in intimen und sinnlichen Zusammenkünften glücklich zu machen vermag, sondern auch Werke von größter Schönheit hinterlassen hat.



EIGENTLICH müssten wir ihr huldigen und sie als Prinzip der Schöpfung immer mehr verfeinern und verstehen lernen. 



EIGENTLICH sollten wir alles daran setzen um zu erkunden, wie man sie glücksbringend in Beziehungen erleben kann und wie sie Männer und Frauen bereichern kann.

Die Realität sieht, gelinde gesagt, sehr anders aus.

Sex wird als Ware angeboten und auf billigstem Niveau verkauft, Menschen tausendfach damit ausgebeutet. Was eigentlich sinnlich sein soll, verkommt zu einer reinen Triebbefriedigung die auf beiden Seiten einen schalen Geschmack hinterlässt, denn es geht nicht um Begegnung sondern um Dienstleistung. Für 50€ die halbe Stunde ist alles zu haben, was in dreißig Minuten rein passt. Und das ist noch nicht die Flatrate, die es in Clubs schon seit längerem gibt.

Solange das Prinzip „Sex sells“ funktioniert, siehe in der Werbung, ist alles in Ordnung. Da sind nackte Brüste und viel Fleisch völlig legitim. Nur die Kassen müssen klingeln und der nächste Rennschlitten oder das kühle Bier wird mit lasziven Schönheiten besser verkauft werden als ohne. Pornos die kühle, künstlich vor Lust verzerrte Gesichter mit lautem Stöhnen abbilden und in denen stakkatomässig gevögelt wird, verkaufen sich wunderbar.

Doch wehe es geht um Sexualität die intim ist. Hier schrillen die Alarmglocken und auf einmal wird der moralische Zeigefinger erhoben man brüstet sich mit mildem oder größerem Entsetzen.

Als Tantramasseure und Inhaber eines renommierten Tantrainstitutes wissen wir einige Liedchen davon zu singen. Alleine die Frage wie man Räumlichkeiten findet, gestaltet sich zu einem unter Umständen langen und zähen Gesuche. Nicht nur müssen die Vermieter der Tätigkeit zustimmen, auch die Stadt hat mit ihrer Bauordnung mitzureden und bestimmt, wo solcherlei „Dienstleistung“ überhaupt stattfinden darf. Ist das einmal geregelt, wird jedoch ganz schnell die Hand aufgehalten und mehrere Hundert Euro Vergnügungssteuer fließen in die kommunalen Kassen. Geld, das erst mal verdient werden muss und von dem lange nicht so viel so reichlich überbleibt, wie es nach Außen den Anschein hat.

Oder die Arbeit an sich: Jeder, der sich für den Beruf des Tantramasseurs entschiedet, steht vor der Frage: Wem erzähle ich was ich mache und wer wird wie darauf reagieren? Werden Freundschaften daran zerbrechen oder die Eltern völlig schockiert sein? Was passiert, wenn mein Chef davon erfährt? Bekomme ich, wenn ich Single bin, überhaupt einen Partner, der mit meiner Arbeit einverstanden ist?

Wir sind nachhaltig begeistert von unserer Arbeit, denn wir sehen in den Begegnungen mit den Menschen, die sich bei uns massieren lassen, wie wertvoll sie für jeden Einzelnen ist:

Wie die angespannten Gesichter weich werden, wie so manche Träne der Erleichterung oder innerer Berührung fließt, wie ganz viel Spannung abfällt und Leichtigkeit und Glücksgefühle wieder ins Leben Einzug halten.

Staunende Gesichter die sich wundern, dass sie auf einmal wieder so viel Lebensfreude und reine Lust erfahren können. Mit wenigen Mitteln, nur durch die Berührung zweier Hände und der aufmerksamen Achtsamkeit eines Menschen, dessen Herz in dieser Begegnung offen ist und der bereit ist, dem anderen zu dienen.

Dieser Teil macht unglaublich viel Freude und bereichert auch denjenigen, der die Massagen gibt. Die Arbeit im Hintergrund gestaltet sich jedoch zäh, denn allenthalben stößt man auf die oben erwähnte Doppelmoral: Mehrfach wurden unsere Videos, die weder anstößige Nacktheit noch irgendwelche Detailaufnahmen intimer Körperstellen enthielten, kommentarlos von Video-Plattformen entfernt. Dabei vermittelten sie nur sinnliche Massageeindrücke oder klärten über die weibliche Ejakulation auf.

Mit google Adwords dürfen wir nicht werben, dafür ist die Webseite mit zu viel erotischen Inhalten gespickt. Einen Shop bei Ebay einzurichten – ist für uns verboten. Kreditkarten-Abrechnung einzuführen mit normalen Anbietern: Abgelehnt. Im Erotik-Bereich nur gegen horrende Gebühren möglich. Ein Geschäftskonto einrichten: Ablehnung durch eine renommierte deutsche Bank, die sich aber ansonsten keinerlei moralischer Bedenken erwehrt wenn es um die Substitution von Rüstungsgeschäften oder ähnlichem geht…. Ich könnte die Liste endlos fortsetzen und es gibt Tage, da macht sie mich traurig.

Aber meine positive Lebenseinstellung überwiegt und ich glaube zusammen mit meinen Mitarbeitern daran, dass wir Dinge durch nachhaltigen, immer wiederkehrenden Einsatz verändern werden. Vielleicht nicht im großen Stil, aber in kleinen Schritten. So wie es vor 30 Jahren unvorstellbar war, dass ein Bioladen einmal auf der KÖ in Düsseldorf ansässig sein würde, werden wir in dreißig Jahren wahrscheinlich über die Engstirnigkeit der heutigen Zeit lachen, weil über die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele wesentlich mehr bekannt sein wird als jetzt.

Menschen die sich informieren, die ihre Vorurteile überwinden und die uns näher kennen lernen, wissen wie wertvoll unsere Arbeit ist wie viel wir damit im Leben Einzelner bewirken.

Paare, die sich über den Weg des Tantra und der Tantramassagen wieder gefunden haben, gibt es unzählige.

Genau wie die Menschen, denen diese Oase Kraft gibt um ihren sehr gefüllten Alltag zu bewältigen und Kraft für ihre Familien zu haben. Etwa 3 von 10 Gästen die zu uns kommen leiden unter massiven Erschöpfungszuständen oder hatten Symptome eines drohenden Burnouts die sie dazu bewogen haben, Veränderungen in ihrem Leben zu initiieren und die spüren, dass Tantramassagen Teil ihres Weges sind um wieder ihre Ressourcen aufzufüllen und Kraft zu tanken. Sie kommen fast alle mit den Worten: „Ich muss etwas nur für MICH tun, damit ich für andere da sein kann.“ Wie wahr.

Ein Kommentar zu Verkehrte Welt

  1. Als ich mit Tantra in Berührung kam, konnte ich meinen Körper neu entdecken und vor allen neu empfinden. Auch finde ich das Thema Sexualität manchmal echt als „unpassendes“ Thema unserer Gesellschaft. Aber das sollte doch nicht so sein. Sex ist doch etwas ganz normales und Tantra hilft uns diesen Neu zu erleben. Und da finde ich die Tantramassage sehr ansprechend und den Beruf Tantra Masseur nicht also negativ zu deuten. Ganz im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass Tantra einem persönlich weiterentwickelt. Aber das ist nur meine Meinung. Übrigens, Super Text =)

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